Zukunft ohne Perspektive: BMW-Tuning-Ikone Herbert Schnitzer sieht das Ende einer Ära
Herbert Schnitzer, eine Gallionsfigur in der Welt des BMW-Tunings und Mitbegründer von AC Schnitzer, einem der renommiertesten Veredler für Fahrzeuge aus München, äußert sich kritisch über die Zukunft seiner Branche. Mit 84 Jahren blickt er auf eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte zurück, die von Rennsport und exklusiven Straßenfahrzeugen geprägt war, sieht jedoch für das klassische Tuning kaum noch eine Zukunft.
Die Gründe für seine pessimistische Einschätzung sind vielfältig. Schnitzer betont, dass die zunehmende Elektrifizierung und die immer strengeren gesetzlichen Vorschriften für Abgasnormen und Geräuschentwicklung die Spielräume für traditionelle Leistungssteigerungen und Modifikationen drastisch einschränken. Die Fahrzeuge werden bereits ab Werk so optimiert, dass weitere Veränderungen kaum mehr möglich oder sinnvoll sind. Dies betrifft nicht nur die Motorleistung, sondern auch Komponenten wie Fahrwerke, Aerodynamik und Abgasanlagen.
Besonders die Abgasanlagen, die früher ein beliebtes Feld für Performance-Optimierungen und klangliche Verbesserungen waren, sind heute aufgrund der strengen Lärmvorschriften kaum noch anpassbar. Schnitzer bedauert, dass die charakteristischen Sounderlebnisse, die zum Fahrgefühl eines getunten BMWs gehörten, der Vergangenheit angehören.
Auch die Möglichkeiten, aerodynamische Anbauteile zu entwickeln, schwinden. Moderne Fahrzeuge sind bereits im Serientrimm extrem windkanaloptimiert, sodass nachträgliche Veränderungen meist nur optischer Natur sind und selten eine echte funktionale Verbesserung bieten. Zusätzliche Spoiler oder Schürzen sind oft nicht mehr mit den bestehenden Zulassungsbestimmungen vereinbar oder verschlechtern sogar die ursprünglich optimierte Aerodynamik.
Herbert Schnitzer zieht das Fazit, dass die goldene Ära des Tunings, in der Ingenieurskunst und Leidenschaft für mehr Leistung und Individualität im Vordergrund standen, unwiederbringlich vorbei ist. Er sieht für Unternehmen, die sich auf solche Modifikationen spezialisiert haben, nur noch eine eingeschränkte Daseinsberechtigung und keine wirkliche Perspektive mehr im bisherigen Sinne.