Europäer streben nach mehr Autonomie von den USA, bleiben aber China gegenüber kritisch
Eine aktuelle Untersuchung offenbart, dass die Bürger Europas eine verstärkte Eigenständigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten anstreben, insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung. Gleichzeitig hegen sie ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber China. Trotz des Wunsches nach mehr Unabhängigkeit behalten die Europäer eine kooperative Haltung gegenüber den USA bei und ziehen eine Zusammenarbeit mit Washington einer solchen mit Peking vor. Die Studie, die von der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR) in zwölf EU-Ländern durchgeführt wurde, zeigt, dass eine Mehrheit der Befragten, im Durchschnitt 74 Prozent, eine verstärkte europäische Souveränität befürwortet. Besonders stark ist dieser Wunsch mit 71 Prozent im Bereich der europäischen Verteidigung ausgeprägt.
Obwohl die USA nach wie vor als ein wichtiger Verbündeter betrachtet werden, besteht der Wunsch, dass Europa eine aktivere Rolle auf der globalen Bühne einnimmt und selbst mehr Verantwortung für seine Sicherheit übernimmt. Dieses Streben nach strategischer Autonomie bedeutet jedoch nicht, die transatlantischen Beziehungen zu kappen; vielmehr soll Europa ein stärkerer Partner werden. Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten ist im Allgemeinen höher als in China, obwohl es leichte Unterschiede zwischen den Ländern gibt. In Deutschland zum Beispiel übersteigt das Misstrauen gegenüber China das gegenüber den USA deutlich.
Im Gegensatz dazu wird China von der europäischen Bevölkerung mit Skepsis betrachtet, vor allem im Hinblick auf Menschenrechtsfragen und geopolitische Einflüsse. Die Befragten äußern Bedenken hinsichtlich Chinas globaler Ambitionen und der inneren Politik. Auch wenn die wirtschaftlichen Verflechtungen mit China als bedeutsam erachtet werden, wird die Notwendigkeit einer umsichtigen Handhabung dieser Beziehungen betont, um Risiken zu minimieren und europäische Werte zu schützen. Die Untersuchung verdeutlicht somit ein komplexes Gefüge aus dem Wunsch nach größerer europäischer Eigenständigkeit, der Aufrechterhaltung wesentlicher Allianzen und der Notwendigkeit, mit aufstrebenden globalen Mächten wie China strategisch umzugehen.