Fachleute betonen, dass Elektrofahrzeuge eine höhere Lebensdauer besitzen, als oft angenommen wird. Distanzen von bis zu 500.000 Kilometern sind für sie keine Ausnahme, wobei der Akkuverlust (Degradation) von vielen stark überschätzt wird. Diese Erkenntnis lässt sich insbesondere bei Tesla-Modellen nachvollziehen. Nach den anfänglichen Jahren der Elektromobilität strömen nun verstärkt ältere Modelle auf den Gebrauchtwagenmarkt, darunter vor allem Tesla-Fahrzeuge der Jahrgänge 2013 bis 2018 (Model S, Model X und Model 3). Dabei drängt sich die Frage auf: Welchen Wert und welche Leistungsfähigkeit bieten solche Fahrzeuge noch? Eine jüngste Untersuchung des Unternehmens Recurrent, das sich selbst als Marktführer in der Batterieanalyse von Gebrauchtfahrzeugen bezeichnet, hat sich dieser Thematik angenommen. Für diese Studie wurden Daten von 15.000 Tesla-Fahrzeugen ausgewertet. Die Resultate sind vielversprechend: „Das häufigste Bedenken bei Elektroautos ist bei Weitem nicht so gravierend, wie oft angenommen“, fasst die Analyse zusammen. Es zeigt sich, dass eine Tesla-Batterie nach etwa acht Jahren und einer durchschnittlichen Fahrleistung von 160.000 Kilometern lediglich circa zehn Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität einbüßt. Das bedeutet, dass die Batterien nach dieser Zeitspanne und Laufleistung immer noch 90 Prozent ihrer anfänglichen Reichweite bereitstellen. Die Garantiebedingungen der Hersteller für Batterien bestätigen dies: Tesla gewährt beispielsweise eine Garantie von acht Jahren oder zwischen 160.000 und 240.000 Kilometern (modellabhängig), wobei die verbleibende Batteriekapazität mindestens 70 Prozent betragen muss. Ähnliche Garantieleistungen bieten auch andere Produzenten wie Nissan, Hyundai und Renault an. Zwar belaufen sich die Kosten für eine Ersatzbatterie, je nach Fahrzeugmodell, auf 15.000 bis 20.000 Euro, doch ein solcher Tausch ist über die gesamte Nutzungsdauer des Autos praktisch nie erforderlich, wie Experten von E-Fahrer.com belegen. Zudem werden die Akkus von den Herstellern nicht als unteilbarer Block, sondern modular aufgebaut, was den Austausch einzelner Komponenten ermöglicht. Man sollte sich von übertriebenen Bedenken hinsichtlich der Batterieleistung nicht beunruhigen lassen. Die Mehrheit der Autofahrer nutzt die volle Reichweite eines Elektroautos ohnehin nicht aus. Eine Analyse hat ergeben, dass 80 Prozent aller Fahrten eine Distanz von unter 50 Kilometern pro Tag umfassen. Eine solche Reichweite ist auch von einem gebrauchten Elektrofahrzeug noch problemlos zu erwarten. Was beeinträchtigt die Batterie am stärksten? Dies sind häufiges Gleichstrom-Schnellladen (DC-Laden), das dauerhafte Aufladen auf 100 Prozent sowie das Entladen unter 20 Prozent. Als Faustregel gilt, den Ladezustand idealerweise zwischen 20 und 80 Prozent zu halten. Tesla-Fahrzeuge sind jedoch mit einem ausgezeichneten Batteriemanagementsystem (BMS) ausgestattet, das den Fahrern eine „batterieschonende“ Nutzung ermöglicht. Darüber hinaus erweisen sich auch weitere Komponenten wie der Elektromotor, die Leistungselektronik und die Bremsen als widerstandsfähiger im Vergleich zu Verbrennungsmotoren. Dies spiegelt sich auch in den Wartungskosten wider, die bei Elektroautos signifikant niedriger ausfallen, da zum Beispiel Ölwechsel und komplexe Abgasuntersuchungen entfallen. Typische Verschleißteile bleiben, ähnlich wie bei Verbrennern, hauptsächlich Reifen und Fahrwerkskomponenten. Ein wesentlicher Vorteil von Tesla-Fahrzeugen sind die Over-the-Air-Updates (OTA). Durch diese drahtlosen Aktualisierungen verbessern und modernisieren sich die Fahrzeuge kontinuierlich über die Jahre hinweg, was sowohl für ältere als auch für neue Modelle gilt. Abgesehen von rein hardwareseitigen Einschränkungen sind den Funktionsverbesserungen hier kaum Grenzen gesetzt. Das Spektrum an Ersatzteilen von Drittanbietern erweitert sich stetig, und freie Werkstätten bauen zunehmend Fachkenntnisse im Bereich Elektrofahrzeuge auf. Dadurch wird die Abhängigkeit von Tesla-eigenen Servicezentren zukünftig voraussichtlich geringer sein. Fachleute prognostizieren daher ein starkes Wachstum des Gebrauchtwagenmarktes für Elektrofahrzeuge in den nächsten Jahren. Da die Preise für neue E-Autos voraussichtlich flächendeckend sinken werden, wird dies auch eine Preisanpassung bei gebrauchten Elektrofahrzeugen bewirken und sie somit einem größeren Kundenkreis zugänglich machen.