Das Automobilunternehmen Volkswagen hat seit seiner nationalsozialistischen Gründung eine tiefe Verbindung zur deutschen Geschichte und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Sinnbild des Wirtschaftswunders. Eine bemerkenswerte Eigenheit des Konzerns ist, dass VW im Unterschied zu vielen anderen Industrieunternehmen niemals in die Fertigung von Waffen involviert war. Diese sogenannte 'Friedensklausel' ist fest in der Unternehmenskultur etabliert und wird von der gesamten Belegschaft mitgetragen. Cem Ince, Mitglied des Betriebsrats bei VW, hebt hervor, dass diese Positionierung nicht bloß auf einer einstigen Entscheidung beruht, sondern von den Mitarbeitern aktiv geschützt wird. In einem Gespräch erläutert Ince, dass die Mehrheit der VW-Angestellten die Waffenproduktion ablehnt. Er bezeichnet dies als ein 'No-Go' innerhalb des Unternehmens, das über eine reine Betriebsvereinbarung hinausgeht und auf einer tief verinnerlichten Überzeugung basiert. Selbst in Phasen, in denen die Fertigung von Rüstungsgütern verstärkt zur Diskussion steht, behalte diese Haltung ihre Gültigkeit. Er hebt die starke Solidarität unter den Kollegen hervor, die sich vehement einer Umstellung auf militärische Produktion widersetzen würden. Die Mitarbeiter betrachten die Debatte über eine potenzielle Aufrüstung kritisch, da viele von ihnen, auch aufgrund ihrer internationalen Herkunft, die Auswirkungen von Konflikten hautnah miterlebt haben. Die 'Friedensklausel' bei Volkswagen hat sich historisch entwickelt. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Fertigung ziviler Produkte Vorrang. Die intensive Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, in der VW Zwangsarbeiter beschäftigte und Güter für den Kriegseinsatz produzierte (jedoch keine Waffen im engeren Sinne), hat beim Unternehmen ein besonderes Verantwortungsbewusstsein geformt. Dieses Verantwortungsgefühl manifestiert sich in der aktuellen Weigerung, Rüstungsgüter herzustellen. Ince betont, dass diese Position nicht nur moralische, sondern auch handfeste praktische Gründe hat. Die Produktion von Automobilen erfordert völlig andere Infrastrukturen und spezialisiertes Know-how als die Herstellung von Waffen. Eine solche Umstellung wäre mit immensen Herausforderungen verbunden und würde die Identität sowohl des Unternehmens als auch seiner Mitarbeiter grundlegend transformieren. Für die Belegschaft sei es von großer Bedeutung, weiterhin Produkte zu fertigen, die dem zivilen Gebrauch dienen. Abschließend unterstreicht Ince, dass die 'Friedensklausel' bei VW weit mehr als ein bloßes Schriftstück ist; sie verkörpert gelebte Praxis und widerspiegelt die Überzeugung der gesamten Belegschaft. Sie dient als exemplarisches Beispiel dafür, wie Arbeitnehmer sich aktiv für den Frieden starkmachen und der Argumentation der Aufrüstung entgegenstellen können.