Yasmin Fahimi an der DGB-Spitze: Eine Bilanz konsequenter Führung
Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), benötigt keine demonstrativen Machtgesten im Berliner Regierungsviertel. Sie ist bekannt dafür, ihre Ziele klar und unmissverständlich zu formulieren, sei es gegenüber der Bundesregierung oder den Arbeitgeberverbänden. Diese direkte Art prägt ihre Führung des Dachverbandes der acht Einzelgewerkschaften, den sie seit zwei Jahren leitet.
Die in Hannover geborene 56-jährige Fahimi hat im Verlauf ihrer politischen Laufbahn bei der SPD gelernt, dass eine prägnante Ausdrucksweise die effektivste Methode ist, um Gehör zu finden. Zwischen 2014 und 2017 bekleidete sie das Amt der SPD-Generalsekretärin unter Sigmar Gabriel. Anschließend wechselte sie als Bundestagsabgeordnete ins Arbeitsministerium, wo sie unter der Leitung von Hubertus Heil (SPD) die Position einer Staatssekretärin innehatte. Nach der Bundestagswahl 2021 übernahm sie die Führung des DGB von Reiner Hoffmann.
Ihren eigenen Führungsstil charakterisiert Fahimi als „kompromisslos, wenn es um die Rechte von Arbeitnehmern geht“. Obwohl diese Haltung für einige Beobachter als zu harsch erscheinen mag, ist sie fest davon überzeugt, dass Gewerkschaften die authentische Stimme der Beschäftigten darstellen und dementsprechend engagiert für deren Belange eintreten müssen. Fahimi betont: „Wir fordern keine Almosen, sondern streben Gerechtigkeit und Beteiligung an.“ In den zwei Jahren ihrer Amtszeit an der DGB-Spitze hat sie diesen Anspruch konsequent verfolgt und durchgesetzt.
Obwohl die Mitgliederzahlen des DGB weiterhin leicht rückläufig sind und aktuell etwa 5,7 Millionen betragen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Fahimi es schafft, die Arbeitgeberseite erfolgreich zu Verhandlungen zu bewegen. In den letzten Monaten initiierte sie zusammen mit dem Arbeitgeberverband BDA das „Bündnis für Transformation“. Dieses Bündnis befasst sich mit den tiefgreifenden Auswirkungen des Klimawandels und der Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Fahimi hob hervor, dass der Dialog zwischen den Parteien sich als äußerst fruchtbar erwiesen habe.
Auch in der Kooperation mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verzeichnet Fahimi Erfolge. Sie führt Gespräche über Industriestrompreise mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu gewährleisten. Fahimi verdeutlichte: „Es geht hier nicht um Subventionen, sondern um die Etablierung eines Strombrückenmodells für die Industrie, um hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.“
Absolut unnachgiebig zeigt sich Fahimi im Bestreben nach gerechten Löhnen und einer deutlichen Stärkung der Tarifbindung. Dies betrachtet sie nicht nur als ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument, sondern auch als eine grundlegende zivilisatorische Errungenschaft. Aus diesem Grund übt sie scharfe Kritik an der Sparpolitik und der Schuldenbremse der Bundesregierung. „Wir benötigen dringend Investitionen in Bildung, Energie und Infrastruktur. Die Schuldenbremse wirkt hier als Investitionsbremse“, erklärte Fahimi.
Mit ihrer Mischung aus Charme und Direktheit vermag Fahimi sowohl Politiker als auch Arbeitgeber zu überzeugen. Ist sie jedoch der Ansicht, dass ihre Gesprächspartner nicht auf Augenhöhe verhandeln, schreckt sie auch vor einer konfrontativen Haltung nicht zurück. Dies gilt insbesondere, wenn es um das Fundament der Gewerkschaften, die Tarifautonomie, geht. „Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir unsere Tarifverträge gestalten“, bekräftigt Fahimi. Die Gewerkschaften seien die zuständigen Verhandlungspartner, nicht die Politik.
Ihre eindeutige und konsequente Haltung hat ihr innerhalb der Ampelkoalition Respekt verschafft. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist sich bewusst, dass Fahimi eine maßgebliche Partnerin darstellt, deren Positionen ernst genommen werden müssen. Schließlich repräsentiert sie Millionen von Beschäftigten, die in den DGB-Gewerkschaften organisiert sind.
In den zwei Jahren ihrer Führungstätigkeit an der Spitze des DGB konnte Fahimi zahlreiche Erfolge verbuchen. Sie initiierte das „Bündnis für Transformation“, trieb die Diskussion um den Industriestrompreis voran und verteidigte die Tarifautonomie. Zudem demonstrierte sie eindrucksvoll, dass eine Frau an der Spitze einer bedeutenden Organisation sowohl kompromisslos als auch äußerst erfolgreich agieren kann.