Im Umgang mit kranken Freunden oder Familienmitgliedern ist unser Wunsch zu helfen und zu trösten oft groß. Doch gelegentlich verfehlen wir unser Ziel, wenn wir versuchen, Ratschläge zu erteilen oder die Ernsthaftigkeit ihrer Lage zu mindern. Solche Äußerungen können unbeabsichtigt mehr Schaden als Nutzen anrichten. Nachfolgend finden Sie sechs Formulierungen, die Sie in Gesprächen mit kranken Personen besser meiden sollten. **1. „Ich kann genau nachvollziehen, wie es dir geht.“** Auch wenn Sie vielleicht selbst schon eine vergleichbare Krankheit erlebt haben, ist es unwahrscheinlich, dass Sie die exakten Empfindungen des anderen teilen. Schmerz, Erschöpfung oder Sorge werden von jedem Menschen individuell wahrgenommen. Statt die Gefühle Ihres Gegenübers vorschnell als bekannt abzutun, ist es hilfreicher, offene Fragen zu stellen wie: „Wie geht es dir heute wirklich?“ oder „Möchtest du darüber sprechen?“ Bieten Sie Raum für die Emotionen des Betroffenen und hören Sie aufmerksam zu, anstatt Ihre eigenen Erfahrungen in den Vordergrund zu stellen. **2. „Ich kenne da jemanden, dem ging es ähnlich, und jetzt...“ (gefolgt von einer unerfreulichen Wendung)** Was als mitfühlende Geste gedacht ist, kann leider oft kontraproduktiv wirken. Das Erzählen von unglücklichen oder beängstigenden Geschichten über andere Personen mit ähnlichen Erkrankungen kann bei Ihrem Gegenüber nur zusätzliche Angst und Verunsicherung hervorrufen. Dies ist absolut das Letzte, was eine kranke Person in ihrer aktuellen Situation gebrauchen kann. Sollten Sie den Drang verspüren, sich auszutauschen, konzentrieren Sie sich lieber auf positive Verläufe oder lassen Sie solche Themen ganz außen vor. **3. „Immerhin ist es keine [noch schlimmere Erkrankung].“** Obwohl diese Äußerung dazu gedacht sein könnte, die Situation zu bagatellisieren, wird sie zumeist als Herabsetzung der Gefühle der betroffenen Person empfunden. Jeder Mensch erlebt sein eigenes Leiden als gravierend. Es wird immer schlimmere Schicksale geben, doch das mindert nicht das persönliche Leid. Verzichten Sie gänzlich auf solche Vergleiche. **4. „Du siehst gar nicht krank aus!“** Diese Aussage kann besonders verletzend sein, vor allem wenn die betroffene Person unter erheblichen Schmerzen leidet oder eine nicht offensichtliche Krankheit hat. Sie suggeriert unbewusst, dass die Person sich nicht wirklich krank fühlt oder ihre Symptome nur imaginiert. Viele Kranke stehen zudem unter dem Druck gesellschaftlicher Schönheitsideale und versuchen, ihren schlechten Zustand zu verbergen. Es ist besser, sowohl sich selbst als auch dem Gegenüber diese Bemerkung zu ersparen. **5. „Vielen anderen geht es doch noch viel schlechter.“** Auch diese Bemerkung ist ein Versuch, die Lage zu beschwichtigen, doch in Wirklichkeit entwertet sie die momentane Verfassung der kranken Person. Jeder Mensch hat das Anrecht, sich schlecht zu fühlen – unabhängig davon, dass andere womöglich noch größere Schwierigkeiten haben. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, wie es dem Betroffenen geht, und bieten Sie konkrete Unterstützung an. **6. „Du musst nur versuchen, positiv zu bleiben!“** Besonders bei ernsthaften Erkrankungen ist diese Aufforderung kaum umsetzbar. Manchmal genügt es einfach nicht, eine positive Denkweise zu kultivieren; sie stellt keine alleinige Lösung dar. Wenn eine kranke Person selbst den Wunsch hat, positiv zu denken, wird sie dies tun. Doch von außen diesen Druck zu erzeugen, ist kontraproduktiv und führt lediglich zu weiterer Verunsicherung. Seien Sie einfach präsent für Ihren Freund oder Ihre Freundin und erkundigen Sie sich, welche Unterstützung benötigt wird. Im Umgang mit erkrankten Personen sind Einfühlungsvermögen und aufmerksames Zuhören von größter Bedeutung. Bemühen Sie sich, sich in deren Lage zu versetzen, ohne dabei das erlebte Leid zu schmälern oder mit dem anderer zu vergleichen. Ihre bloße Anwesenheit und das Angebot praktischer Hilfe können oft schon Wunder wirken.