Wolfgang Kubicki stellt politischen Rückzug bei FDP-Niederlage in Aussicht
Wolfgang Kubicki, der stellvertretende Vorsitzende der FDP, hat die Möglichkeit eines Abschieds aus der Politik in den Raum gestellt, falls seine Partei bei der nächsten Bundestagswahl im kommenden Jahr ein schlechtes Ergebnis erzielt. Gegenüber der "Bild am Sonntag" erklärte Kubicki: "Sollten wir unter die Fünf-Prozent-Marke fallen, werde ich ernsthaft überlegen, ob ich meine politische Karriere fortsetzen möchte."
Die Frage, ob dies gleichbedeutend mit dem "politischen Altenteil" wäre, bejahte der 72-jährige Politiker.
Er empfinde "zuweilen eine gewisse Erschöpfung, insbesondere angesichts des ständigen Gezeters und der unaufhörlichen Angriffe, denen die FDP ausgesetzt ist." Der FDP-Politiker forderte zudem, dass die Ampel-Koalition "dringend lernen muss, geschlossen aufzutreten und interne Differenzen nicht öffentlich auszutragen."
Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die FDP mit 4,8 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde verpasst und war damit aus dem Parlament ausgeschieden. Im Jahr 2017 gelang ihr, auch dank Kubickis Engagement, die Rückkehr in den Bundestag.
Aktuelle Umfragen zeigen die FDP bundesweit bei vier bis fünf Prozent. Ein solches Ergebnis würde erneut das Überschreiten der Fünf-Prozent-Hürde verhindern und den Auszug aus dem Bundestag zur Folge haben. Die nächste Bundestagswahl ist regulär für den Herbst 2025 angesetzt.
Kubicki gilt als eine der profiliertesten und wortgewaltigsten Persönlichkeiten innerhalb der FDP und wird von jüngeren Parteimitgliedern für seine umfangreiche Erfahrung hoch geschätzt.
Ungeachtet des Wahlausgangs sieht sich Kubicki nach der nächsten Legislaturperiode als "politischer Senior", wie er der Zeitung erklärte. Seine Rolle werde dann nicht mehr aktiv auf dem Spielfeld sein, sondern eher beratend von der "Tribüne aus" für jüngere Politiker wirken.
Er selbst habe in seinen jungen politischen Jahren ebenfalls von der Expertise erfahrenerer Parteikollegen profitiert, fügte er hinzu.
Die FDP sieht sich derzeit mit Herausforderungen konfrontiert, darunter ihr Ruf als "Partei der Besserverdienenden" sowie interne Meinungsverschiedenheiten, beispielsweise bezüglich der geplanten Kindergrundsicherung oder einer Reform der Schuldenbremse.
Auch Kubicki selbst sorgt durch seine bisweilen provokanten Äußerungen regelmäßig für Schlagzeilen. Er bekleidet zudem das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein und war vor seinem Einzug in den Bundestag im Jahr 2017 lange Zeit Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein.