Wirtschaftsexperte Marterbauer: Erbschaftssteuer kehrt unvermeidlich zurück
Stefan Marterbauer, der die Wirtschaftsleitung der Arbeiterkammer Wien innehat, ist für seine prägnanten Analysen und seine feste Haltung in ökonomischen Fragen bekannt. Bei einer gemeinsamen Wanderung durch ein belebtes Wiener Stadtviertel gab er Einblicke in seine Einschätzung der künftigen fiskalischen Politik Österreichs.
Sein zentrales Dogma, das er seit vielen Jahren vertritt, besagt: Die Wiederinkraftsetzung der Erbschafts- und Schenkungssteuer in Österreich ist nicht nur erstrebenswert, sondern eine ökonomische Notwendigkeit und wird zwangsläufig eintreten. Diese Abgabe, in Österreich seit 2008 außer Kraft gesetzt, sei ein essenzielles Instrument zur Minderung sozialer Ungleichheiten.
Marterbauer begründet seine Überzeugung mit mehreren Faktoren. Zuerst erfordere die rasant ansteigende Staatsverschuldung, verstärkt durch externe Schocks wie Pandemien und Energiekrise, neue Einnahmequellen. Zweitens habe sich die Konzentration von Vermögen in den Händen weniger Familien in den vergangenen Dekaden dramatisch erhöht, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährde.
Er verweist auf die gängige Praxis in vielen weiteren europäischen Staaten, wo Erbschaftssteuern eine etablierte Komponente des Steuersystems darstellen. Österreich isoliere sich hier im internationalen Vergleich. Das Argument, solche Steuern könnten Kapitalflucht fördern oder kleine Erben unangemessen belasten, hält er für vorgeschoben, wenn man eine kluge Ausgestaltung in Betracht ziehe.
Eine denkbare Gestaltung sieht er in großzügigen Freibeträgen, die gewährleisten, dass normale Immobilienvererbungen oder kleinere Vermögen unberührt bleiben. Die Steuer sollte vorrangig sehr große Erbschaften betreffen, um einen Beitrag zur Umverteilung und zur Finanzierung öffentlicher Leistungen, beispielsweise in den Bereichen Bildung oder Gesundheit, zu leisten.
Marterbauer betont, dass es nicht darum gehe, Wohlstand an sich zu bestrafen, sondern um ein gerechteres System, in dem jeder seinen Beitrag leistet. Er betrachtet die Erbschaftssteuer als einen Baustein eines umfassenderen Reformpakets, das ebenso die Besteuerung von Vermögen und Finanztransaktionen umfassen sollte.
Während des gemeinsamen Weges reflektierte Marterbauer auch über die politische Debatte, die er als langwierig empfindet. Er ist jedoch zuversichtlich, dass sich die öffentliche Meinung angesichts der Fakten und des Drucks der Realität wandeln wird. Der Zeitpunkt für eine Wiedereinführung der Erbschaftssteuer sei keine Frage des Ob, sondern des Wann.