Wenn Schönheit kein Alter kennt: Über die Altersdiskriminierung in der Filmbranche
Das Filmfestival in Cannes hat uns einmal mehr mit einer Fülle faszinierender Impressionen beschenkt, insbesondere mit dem Anblick außergewöhnlich schöner Frauen. Darunter auch jene, die das fünfte Lebensjahrzehnt bereits hinter sich gelassen haben. Man denke nur an Persönlichkeiten wie Sophie Marceau (57), Monica Bellucci (59) oder Salma Hayek (57).
Diese wiederkehrenden Ereignisse werfen die Frage auf, ob es tatsächlich noch zeitgemäß ist, dass einige der schönsten Ikonen des Kinos, die solch beeindruckende visuelle Erlebnisse schaffen, ab einem bestimmten Lebensalter auf manchen Bildschirmen als visuell 'ungeeignet' oder 'zu alt' betrachtet werden. Eine Altersgrenze, die für ihre männlichen Kollegen in der Regel keine Rolle spielt.
Gewiss unterliegen Schönheitsideale ständigen Veränderungen und sind keineswegs statisch. Der Drang, jugendlich zu wirken und erscheinen zu müssen, ist schon seit Längerem präsent. Hollywood, mit seinen Produzenten und Filmemachern, prägt oft solche Entwicklungen, insbesondere wenn es um das Erscheinungsbild von Frauen geht.
Die Frage nach dem Warum drängt sich auf. Männliche Darsteller dürfen altern, und ihr zunehmendes Lebensalter wird oft als Bereicherung empfunden, die ihnen nicht nur Reife, sondern auch mehr Charakter verleiht. Exemplarisch dafür stehen Namen wie George Clooney (63), Brad Pitt (60), Tom Cruise (61) oder Harrison Ford (81). Sie alle scheinen alterslos elegant zu sein und gewinnen mit den Jahren an Ausstrahlung, da ihre Erfahrungen sich in ihren Zügen widerspiegeln. Bei Frauen hingegen scheint die Erwartung zu bestehen, dass solche Lebensgeschichten gar nicht erst sichtbar werden dürfen. Es wirkt fast so, als wäre es verpönt, jenseits der 50 eine zentrale Rolle zu übernehmen, es sei denn, man spielt eine mütterliche oder großmütterliche Figur.
Diese Vorstellung entbehrt jedoch jeglicher Grundlage, wie die genannten Persönlichkeiten aus Cannes eindrucksvoll beweisen. Sophie Marceau, Monica Bellucci und Salma Hayek haben keinerlei ihrer ursprünglichen Anziehungskraft eingebüßt. Ganz im Gegenteil, sie verkörpern eine einzigartige Ästhetik und Reife, die sie besonders faszinierend erscheinen lässt und sie von ihren deutlich jüngeren Kolleginnen abhebt. Sie sind der beste Beweis dafür, dass im Film nicht ausschließlich Jugend und Frische zählen, sondern ebenso Charaktertiefe, Ausdruckskraft und eine gewisse Grandezza. Und all die Qualitäten, die damit einhergehen.
Diese Frauen zählen zu den herausragendsten Interpretinnen ihrer Rollen und repräsentieren zugleich für unzählige Frauen global ein inspirierendes Altersbild. Sie demonstrieren eindrucksvoll, dass man auch mit Ende 50 und darüber hinaus weiterhin attraktiv, intelligent, ansprechend und schön sein kann. Sie widerlegen die Annahme, dass Frauen mit 50 gesellschaftlich abgeschrieben und ins Abseits gedrängt werden. Der allgemeine Trend zeigt, dass Menschen immer länger leben, gesund und vital bleiben. Dies sollte sich auch in der Filmbranche widerspiegeln. Für das Kinopublikum wäre dies zweifellos eine Bereicherung.
Daher wäre es höchste Zeit, dass Produzenten und Regisseure ihre eingeschränkte Sichtweise ablegen und vermehrt Rollen für Frauen entwickeln, die dem tatsächlichen Alter der Darstellerinnen gerecht werden. Es sollte nicht krampfhaft versucht werden, junge Charaktere mit älteren, stark geschminkten Schauspielerinnen zu besetzen, was letztlich oft dazu führt, dass sie älter erscheinen, als sie es eigentlich sind. Solche Versuche erweisen sich zumeist als kontraproduktiv.