Washington übt Druck auf Europa aus: Teureres US-Gas bei fehlendem Handelsabkommen
Die Vereinigten Staaten signalisieren zunehmend Konsequenzen für Europa, sollte ein umfassendes Handelsabkommen nicht zustande kommen. Hochrangige US-Beamte warnen davor, dass bei ausbleibendem Konsens die Preise für amerikanisches Flüssigerdgas (LNG) für europäische Abnehmer deutlich steigen könnten.
Diese Drohung wurde prominent von Amos Hochstein, dem hochrangigen Berater von US-Präsident Joe Biden für Energie und Investitionen, in Brüssel ausgesprochen. Er mahnte eindringlich, die Verfügbarkeit von US-Gas zu günstigen Konditionen nicht als selbstverständlich zu betrachten, insbesondere ohne ein entsprechendes Handelsabkommen.
Hochsteins Äußerungen fallen in eine Zeit intensiver Verhandlungen über das "Critical Raw Materials Agreement" (CRMA) zwischen den USA und der EU. Europa strebt an, durch dieses Abkommen ähnliche Vorteile für seine Unternehmen zu erzielen, wie sie der US-"Inflation Reduction Act" (IRA) amerikanischen Firmen gewährt.
Die USA hatten Europa nach dem Wegfall der russischen Gaslieferungen, insbesondere nach den Vorfällen an Nord Stream 2, durch die umfangreiche Lieferung von LNG vor einer massiven Energiekrise bewahrt. Hochstein betonte, dass dieser "Schutzschirm" durch amerikanisches Gas nicht unterschätzt werden dürfe.
Als größter Lieferant von Flüssigerdgas nach Europa knüpft Hochstein die Fortsetzung dieser Versorgungssicherheit direkt an den Abschluss eines Handelsabkommens. Er deutete an, dass europäische Länder ohne eine solche Kooperation gezwungen sein könnten, LNG zu erheblich höheren Preisen auf dem freien Weltmarkt zu beschaffen.
Dieser amerikanische Druck verdeutlicht das Dilemma Europas: Einerseits ist es auf US-amerikanisches LNG angewiesen, um seine Energiesicherheit zu gewährleisten, andererseits stehen die Importe von Gas, das häufig durch Fracking gewonnen wird, im Konflikt mit den ambitionierten europäischen Klimazielen zur Emissionsreduktion.
Die Vereinigten Staaten nutzen hier die seit dem Ukraine-Krieg und der Abkehr von russischem Gas entstandene Abhängigkeit Europas. Sie bieten quasi einen "Deal" an: gesicherte Energieversorgung im Austausch für handelspolitische Zugeständnisse und Kooperation.
Die laufenden Verhandlungen sind hochkomplex, da sie wirtschaftliche Anreize, klimapolitische Verpflichtungen und geopolitische Interessen miteinander verknüpfen.
Die jüngste Warnung aus Washington lässt darauf schließen, dass der "Schutzschirm" durch bezahlbares US-LNG nicht bedingungslos ist.