Das Planetarium in Bochum hat sich in eine faszinierende Konzerthalle verwandelt und zieht mit seiner außergewöhnlichen Akustik zahlreiche Musiker an. Doch was genau steckt hinter diesem Konzept des "Planetarium der Musik"? Während Planetarien üblicherweise der Darstellung von Sternen und Galaxien dienen, schlägt das Bochumer Planetarium einen neuen Weg ein und transformiert sich zu einem modernen Konzerthaus. Die Vision hierfür reifte während der Pandemie, als Planetariumsleiter Christian Bröer intensiv über zukünftige Nutzungsmöglichkeiten nachdachte. Obwohl Konzertveranstaltungen grundsätzlich kein Novum waren, stellte die vorhandene Akustik eine erhebliche Herausforderung dar. Die ausgedehnte Kuppelstruktur neigte dazu, den Schall stark zu reflektieren. Dies ist zwar vorteilhaft für Sprachpräsentationen, erzeugte jedoch einen übermäßigen Nachhall, der für musikalische Darbietungen ungeeignet war. Diesen Zustand galt es zu beheben. Um dieses Problem zu lösen, wurden Spezialisten für Raumakustik hinzugezogen. Ihr Team entwickelte einen innovativen "akustischen Teppich" aus speziellen Stoffen und Materialien, der innerhalb der Kuppel installiert wird. Dieser Teppich setzt sich aus 24 einzelnen Segmenten zusammen, wobei jedes Segment rund 30 Kilogramm wiegt und eine Länge von drei Metern aufweist. Das Revolutionäre an dieser Lösung ist ihre Flexibilität: Der "Teppich" lässt sich bei Bedarf innerhalb von nur 1,5 Minuten entweder von der Kuppel herablassen oder wieder einfahren. Diese Technik ermöglicht es dem Planetarium, tagsüber sein gewohntes Sternenprogramm anzubieten und sich abends nahtlos in einen Konzertsaal zu verwandeln. Die Realisierung dieses Projekts erforderte eine Investition von 450.000 Euro, welche gemeinsam vom Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Bochum getragen wurde. Diese Umgestaltung ist zudem eingebettet in ein umfassenderes Konzept: Das Planetarium plant, in den kommenden 15 Jahren seine Funktionalität weiter auszubauen, unter anderem durch die Einführung eines 360-Grad-Kinos. Die Premierenveranstaltung mit Sänger Adel Tawil vor 300 Gästen, zu denen auch Bürgermeister Thomas Eiskirch und NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes zählten, wurde zu einem vollen Erfolg. Tawil zeigte sich von der Klangqualität und der einzigartigen Atmosphäre restlos begeistert. Anfängliche Skepsis bezüglich der tatsächlichen akustischen Verbesserung wurde durch den ersten Test eindrucksvoll widerlegt. Das Ergebnis war durchweg positiv, und selbst Tawils erfahrener Tontechniker zeigte sich beeindruckt. Das "Planetarium der Musik" ist konzipiert, um eine breite Palette musikalischer Genres zu beherbergen, von Pop über Jazz bis hin zur Klassik. Bereits jetzt sind weitere Konzerte mit Künstlern wie Gregor Meyle und Max Mutzke in Planung. Das übergeordnete Ziel dieser Initiative ist es, neue Besuchergruppen anzusprechen und das Planetarium als lebendiges Kulturzentrum in der Region zu etablieren.