Verbraucher erwarten deutlichen Preisanstieg: Sorge vor erneuter Inflationswelle wächst
Eine neue Erhebung der Dekabank in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa zeigt, dass sich die Besorgnis vor einer abermaligen Inflationswelle in Deutschland verstärkt. Nahezu zwei Drittel der deutschen Konsumenten rechnen demnach in den kommenden zwölf Monaten mit spürbar steigenden Preisen, während lediglich vier Prozent mit sinkenden Kosten kalkulieren.
Insgesamt prognostizieren 60 Prozent der Umfrageteilnehmer eine „starke“ oder „sehr starke“ Preissteigerung. Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Dekabank, interpretierte die Resultate am Mittwoch mit den Worten: „Die Inflationserwartungen der privaten Haushalte haben den höchsten Stand seit 2005 erreicht.“ Demnach beunruhigen Konsumenten vor allem die zukünftige Preisentwicklung bei Lebensmitteln und Energie.
Bezüglich Nahrungsmitteln rechnen 87 Prozent der Verbraucher mit Preisanstiegen, und bei Energieprodukten liegt dieser Wert bei 80 Prozent. Scheuerle bemerkt hierzu: „Nachdem sich die Inflationsraten im Frühsommer etwas entspannt hatten, kehren viele Verbraucher bereits wieder zu einer erhöhten Alarmbereitschaft zurück.“
Es scheint, dass die Zentralbanken ihr Zwei-Prozent-Inflationsziel noch nicht überzeugend etablieren konnten. Insbesondere im dritten Quartal 2023 ist eine erneute Steigerung der Energiepreise festzustellen. Heizöl und Erdgas verzeichneten in den letzten Wochen eine deutliche Preisentwicklung nach oben, wobei die Großhandelspreise für Gas schon wieder über dem Niveau des Vorjahres liegen.
Des Weiteren bleiben die Preise für Lebensmittel auf einem erhöhten Stand, wenngleich sich die Wachstumsraten tendenziell verlangsamen. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor für private Haushalte sind die Mieten. Im August stiegen die Mietpreise bundesweit im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,2 Prozent.
Im Monat August betrug die Inflationsrate 6,1 Prozent. Die Kerninflation, welche die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel exkludiert, erreichte einen Wert von 5,5 Prozent.
Sollten die Energiepreise weiterhin hoch bleiben, so die Einschätzung von Dekabank-Volkswirt Scheuerle, könnte die Inflationsrate bis zum Jahresende wieder über vier Prozent klettern. Er fügt hinzu: „Damit dürfte der Zinsgipfel der EZB noch nicht erreicht sein.“ Dies impliziert, dass die Europäische Zentralbank voraussichtlich weitere Zinserhöhungen vornehmen wird.
Die Kombination aus steigenden Zinsen und einer ohnehin bereits angeschlagenen Wirtschaft erhöht das Risiko einer Stagflation. Ökonomen definieren Stagflation als einen Zustand, in dem eine stagnierende oder rückläufige Wirtschaftsleistung von einer gleichzeitig hohen Inflationsrate begleitet wird. Im zweiten Quartal 2023 verzeichnete die deutsche Wirtschaft kein Wachstum mehr.
Die Konsumbereitschaft in Deutschland bleibt weiterhin gering. Ökonomen der Dekabank prognostizieren einen weiteren Rückgang der Konsumfreude, was nach Scheuerles Worten „die Aussichten auf eine Konjunkturerholung schmälert“. Es wird erwartet, dass die Inflationserwartungen der Haushalte die Konsumstimmung in den nächsten Monaten zusätzlich beeinträchtigen werden.
Scheuerle empfiehlt den Verbrauchern, sich nicht von Preisanstiegen unter Druck setzen zu lassen. Sein Rat lautet: „Vergleichen Sie die Angebote, bevor Sie etwas kaufen wollen – in vielen Sektoren gibt es erneut erhebliche Preisdifferenzen.“