US-Soldat unter Insiderhandelsverdacht: Vorhersagewetten mit Geheimdienstinformationen
Ein Angehöriger der US-Streitkräfte sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen gegenüber: Er soll streng vertrauliches Wissen dazu eingesetzt haben, auf der Kryptowährungs-basierten Prognoseplattform Polymarket lukrative Wetten abzuschließen. Die Anklage gegen Harrison S. wurde am 22. April sowohl vom US-Justizministerium als auch von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) erhoben. Die Liste der Anschuldigungen reicht dabei von unerlaubtem Insiderhandel bis hin zu Drogenhandel, dem illegalen Besitz von Waffen und Kinderpornografie.
Den Anklagedokumenten zufolge war Harrison S., stationiert auf Hawaii, im Besitz einer Top-Secret-Sicherheitsfreigabe und bekleidete eine Spezialistenposition im "Directorate for Intelligence and Knowledge Management". Er wird beschuldigt, vertrauliche Daten über Geiselnahmen, militärische Einsätze und internationale Beziehungen der Vereinigten Staaten für seine Spekulationen missbraucht zu haben.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht sein Vorgehen: Am 20. November 2023, eine Woche vor der offiziellen Mitteilung der USA, dass Geiseln aus Gaza freigelassen würden, setzte Harrison S. 1.000 US-Dollar auf deren Entlassung bis zum 24. November. Durch diese Wette soll er einen Gewinn von 223 US-Dollar erzielt haben.
Ein weiterer Fall betrifft eine Wette bezüglich der Entsendung von US-Truppen nach Palästina. Harrison S. wettete hier darauf, dass keine Truppen abgestellt würden, und soll auch in diesem Fall über nicht öffentliche Informationen verfügt haben.
Um seine Aktivitäten zu verschleiern, soll der Beschuldigte das Pseudonym "Tightpants" sowie ein Virtual Private Network (VPN) genutzt haben. Insgesamt soll er auf Polymarket Gewinne in Höhe von etwa 10.000 US-Dollar erwirtschaftet haben.
Die Besonderheit dieses Rechtsfalls liegt in der Anwendung der Insiderhandelsgesetze auf eine Prognoseplattform, die auf Kryptowährungen basiert. Üblicherweise beziehen sich solche Klagen auf etablierte Finanzmärkte wie den Aktien- oder Anleihenhandel. Das Justizministerium vertritt jedoch die Auffassung, dass Polymarket-Wetten als Futures-Kontrakte eingestuft werden können, was die Zuständigkeit der CFTC und die Geltung der Betrugsbekämpfungsbestimmungen begründet.
Polymarket selbst untersagt Insiderhandel in seinen Nutzungsbedingungen und versteht sich nicht als Glücksspielanbieter, sondern als Werkzeug zur Informationsaggregation. Das Unternehmen betreibt eine anonyme Whistleblower-Hotline und hat in der Untersuchung mit den zuständigen Behörden kooperiert.
Die umfassende Anklageschrift gegen Harrison S. beinhaltet zusätzlich Vorwürfe wegen des Besitzes einer nicht registrierten Schusswaffe, des Besitzes von Kinderpornografie, des Handels mit kontrollierten Substanzen wie MDMA, Geldwäsche und der Fälschung von Dokumenten. Allein für den Insiderhandel droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren.