Die Vereinigten Staaten intensivieren ihren Druck auf den Iran erheblich. Eine Streitmacht von 5000 US-Marines, unterstützt von mindestens sechs Kriegsschiffen, ist dazu bestimmt, amerikanische Interessen in der Golfregion zu wahren und die Sicherheit der Seewege zu gewährleisten. Diese Truppen sollen zudem in der Lage sein, zügig auf Angriffe gegen US-amerikanische oder verbündete Ziele zu reagieren. Medienberichte legen nahe, dass die Entsendung der Landungsschiffe USS Boxer und USS Bataan sowie der Trägerkampfgruppe um die USS Abraham Lincoln darauf abzielt, eine militärische Handlungsoption gegenüber dem Iran zu etablieren. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass Teheran Attacken, wie jene auf saudische Ölanlagen, wiederholt oder die maritime Schifffahrt im Persischen Golf erneut ins Visier nimmt. John Bolton, der frühere Nationale Sicherheitsberater, hatte während seiner Amtszeit wiederholt betont, dass diese Stationierung eine überzeugende Abschreckung gegenüber dem Iran darstellen sollte. US-Präsident Donald Trump behält sich angesichts dieser Lage sämtliche Handlungsoptionen vor. In den letzten Wochen hat er mehrfach bekräftigt, dass er einen Krieg mit dem Iran vermeiden möchte, sich jedoch auch nicht erpressen lassen wird. Experten äußern Bedenken, dass ein Fehlverhalten auf einer der Seiten eine erhebliche Eskalation nach sich ziehen könnte. Ein primäres Ziel der neu stationierten US-Marines scheint die iranische Ölterminalinsel Kharg zu sein. Diese Insel ist aufgrund ihrer strategischen Lage an der Mündung des Persischen Golfs von großer Bedeutung und dient als wichtigster Ölhafen des Iran. Rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte werden über Kharg abgewickelt. Falls die USA oder ihre Verbündeten beabsichtigen, den Seeverkehr im Golf von Oman oder der Straße von Hormus zu sichern, würde Kharg ein naheliegendes Ziel für die Marines darstellen. Die Insel ist prädestiniert als potenzieller Stützpunkt oder Ausgangspunkt für künftige Operationen. Bereits im Juni 2019 hatte der Iran durch Angriffe auf Tanker im Golf von Oman und den Abschuss einer US-Drohne für Besorgnis gesorgt. Experten befürchten, dass das Teheraner Regime auf zusätzliche Sanktionen oder Drohungen mit einer Seeblockade oder Raketenabschüssen reagieren könnte. Seit dem unilateralen Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 ist die regionale Situation angespannt. Washington hat seine Sanktionen gegen Teheran erheblich verschärft, um den Iran zu neuen Gesprächen zu bewegen. Der Iran lehnt es jedoch ab, unter Druck zu verhandeln. Das Atomabkommen (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) war darauf ausgelegt, den Iran von der Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten. Im Gegenzug sollten die bestehenden Sanktionen aufgehoben werden. Die USA spielten unter Präsident Barack Obama eine federführende Rolle bei der Aushandlung dieses Abkommens.