Ein ambitionierter Plan soll die Unternehmensgründung in Deutschland revolutionieren: Künftig könnten Firmen innerhalb von nur 24 Stunden ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Dieser weitreichende Vorschlag wird von Bundesbauministerin Klara Giffey (SPD), dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und dem renommierten Juristen und Wirtschaftsfachmann Jörg Limbach aktiv vorangetrieben. Das Hauptziel der Initiative ist es, die bestehenden bürokratischen Hürden erheblich abzubauen und Deutschland als attraktiven Standort für Neugründungen zu stärken. Gegenwärtig stellt der Weg zur eigenen Firma in der Bundesrepublik oft eine zeitraubende und komplizierte Angelegenheit dar. Von der erforderlichen notariellen Beglaubigung über den obligatorischen Eintrag ins Handelsregister bis hin zur Einrichtung eines Geschäftskontos ziehen sich die notwendigen Schritte häufig über Wochen, mitunter sogar Monate. Diese langwierigen Abläufe schrecken viele potenzielle Unternehmer ab und binden unnötig Ressourcen sowie wertvolle Zeit. Die neue Strategie sieht vor, diesen Prozess durch weitreichende Digitalisierungsmaßnahmen und eine grundlegende Optimierung der Abläufe drastisch zu beschleunigen. Mehrere zentrale Komponenten bilden das Fundament dieses Vorhabens: 1. **Vollständig digitale Gründungsakte:** Sämtliche erforderlichen Unterlagen und Vereinbarungen sollen vollständig digital erstellt und rechtsgültig elektronisch unterzeichnet werden können, vorzugsweise über eine zentrale Online-Plattform. 2. **Online-Notariat:** Notarielle Beurkundungen sollen mittels Videokonferenz durchgeführt werden, wobei sowohl die Identitätsfeststellung als auch die Unterschrift digital erfolgen. Dies erspart den Beteiligten Anfahrtswege und vereinfacht die Terminplanung erheblich. 3. **Beschleunigtes Handelsregisterverfahren:** Die Bearbeitung von Anträgen zur Eintragung ins Handelsregister durch die zuständigen Gerichte soll massiv beschleunigt werden. Durch den Einsatz digitaler Schnittstellen und eine klare Priorisierung könnte der Eintrag innerhalb weniger Stunden erfolgen. 4. **Standardisierte Musterdokumente:** Für die gängigsten Rechtsformen, insbesondere die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Unternehmergesellschaft (UG), sollen vereinfachte, standardisierte Musterprotokolle und Gesellschaftsverträge bereitgestellt werden, die lediglich geringfügige individuelle Anpassungen erfordern. Klara Giffey betonte die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Innovationsstandort international zu festigen. „Wir müssen den Mut haben, die Möglichkeiten der Digitalisierung konsequent zu nutzen, um Gründern den Einstieg zu erleichtern“, erklärte Giffey. Hubert Aiwanger ergänzte, dass dies einen fundamentalen Schritt zur Förderung von Mittelstand und Start-ups in ganz Deutschland, insbesondere in Bayern, darstelle. „Weniger administrative Hürden bedeuten mehr Vitalität für unsere Volkswirtschaft“, so Aiwanger. Jörg Limbach wies darauf hin, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden müssen, um eine solche Beschleunigung rechtssicher zu gewährleisten. Die Befürworter sind fest davon überzeugt, dass eine realisierbare 24-Stunden-Gründung Deutschland einen erheblichen Vorteil im globalen Wettbewerb verschaffen und die Bereitschaft zur Unternehmensgründung im Land signifikant steigern würde. Dennoch sind für die Verwirklichung dieses ehrgeizigen Ziels legislative Anpassungen und eine konsequente Umsetzung der digitalen Infrastruktur unabdingbar.