Péter Magyar, ein Jurist, der einst mit der früheren Justizministerin Judit Varga verheiratet war, hat sich in Ungarn in kurzer Zeit zu einer Schlüsselfigur der Gegenbewegung aufgeschwungen. Seine Versammlungen locken Tausende an, und er wird weithin als der bedeutendste Rivale des amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dessen Fidesz-Partei betrachtet. Der 43-Jährige war über Jahre hinweg tief in Orbáns politischem Apparat verankert, bekleidete diverse Positionen in Staatsbetrieben und gehörte Aufsichtsräten an. Eine entscheidende Wende ereignete sich im Februar, als er die Gründung einer neuen politischen Initiative bekannt gab. Ausschlaggebend hierfür war ein Korruptionsfall um eine umstrittene Begnadigung, der die damalige ungarische Präsidentin Katalin Novák und seine Ex-Frau Judit Varga zum Rücktritt zwang. Seitdem hat Magyar dem System den Rücken gekehrt, kritisiert es vehement und enthüllt fortlaufend neue Informationen über dessen undurchsichtige Verflechtungen. Besonders hervorzuheben ist Magyars Fähigkeit, Menschen in ländlichen Gebieten Ungarns zu mobilisieren, die traditionell als Bollwerke der Fidesz gelten. In Städten wie Debrecen, Győr oder Veszprém gelang es ihm, Tausende von Menschen zu vereinen – ein Erfolg, den vor ihm kaum ein anderer Oppositionsführer erzielt hatte. Dort attackiert er die allgegenwärtige Korruption, das oligarchische Geflecht und die Regierungsbeeinflussung zentraler staatlicher Einrichtungen sowie der Medienlandschaft. Magyar stellt den Ungarn ein Land ohne Furcht in Aussicht, in dem Rechtstaatlichkeit und demokratische Prinzipien wiederhergestellt werden sollen. 'Wir werden uns unser Land zurückerobern', ist einer seiner wiederkehrenden Parolen. Diese Botschaft findet großen Anklang, da sich viele Wähler von den bisherigen Oppositionsparteien nicht ausreichend repräsentiert fühlen. Seit 2010 hat die mangelnde Geschlossenheit der Opposition es nicht vermocht, Orbáns Position ernsthaft zu bedrohen. Magyars neu gegründete 'TISZA'-Partei (Partei für Respekt und Freiheit) hat ihre Teilnahme an den Europawahlen im Juni angekündigt. Seine Bewegung könnte die politische Landschaft Ungarns grundlegend umgestalten und das bestehende Parteiensystem kräftig durchrütteln. Beobachter attestieren ihm das Potenzial, die Fidesz-Partei nach vielen Jahren erstmals wieder einer ernsthaften Konkurrenz auszusetzen. Trotz seines rasanten Aufstiegs existiert auch eine gewisse Skepsis. Einzelne Kritiker aus den etablierten Oppositionsreihen äußern die Besorgnis, Magyar könnte lediglich eine weitere Fidesz-Inszenierung darstellen, die darauf abzielt, die Oppositionsbewegung weiter zu fragmentieren. Ob seine Bewegung langfristig Bestand haben und ob er seine Zusagen einlösen kann, muss sich noch zeigen. Eines steht jedoch fest: Péter Magyar hat die ungarische Politik bereits merklich belebt und sorgt für intensive Diskussionen.