Donald Trumps jüngste Äußerungen bezüglich Kubas, insbesondere seine Drohung, die Insel „zu übernehmen“, falls eine dortige Revolution „schiefgehen“ sollte, erinnern an eine lange und komplizierte Geschichte der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Karibikstaat. Obwohl Trump später präzisierte, dass er eher eine wirtschaftliche als eine militärische Übernahme meine, weckt die Formulierung „übernehmen“ („take over“) starke Assoziationen mit einer Ära amerikanischer Dominanzpolitik. Er betonte, Kuba sei „hässlich“ geworden und man würde es „schön“ machen. Die amerikanische Haltung gegenüber Kuba war lange Zeit von einem Mix aus Befreiungsanspruch und Protektoratsdenken geprägt. Bereits 1898, am Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges, verabschiedete der US-Kongress den Teller Amendment. Dieser Zusatz versprach, dass die Vereinigten Staaten Kuba nach dem Sieg über Spanien nicht annektieren würden, sondern dessen Unabhängigkeit garantieren wollten. Doch dieses Versprechen wurde nur wenige Jahre später durch den Platt Amendment von 1901 de facto ausgehöhlt. Dieser umstrittene Zusatz zum kubanischen Verfassungsentwurf gestand den USA das Recht zu, in Kuba militärisch zu intervenieren, um die Unabhängigkeit oder den Schutz von Leben, Eigentum und individuellen Freiheiten zu gewährleisten. Zudem sicherte er den USA das Recht auf den Erwerb von Kohle- oder Marinestationen zu, darunter die Bucht von Guantanamo. Kuba wurde somit effektiv zu einem Protektorat der Vereinigten Staaten. Die Doktrin der Intervention wurde 1904 durch Theodore Roosevelts „Roosevelt Corollary“ zur Monroe-Doktrin noch verschärft. Dieser Zusatz erklärte, dass die USA das Recht hätten, in lateinamerikanischen Ländern einzugreifen, um deren Finanzstabilität wiederherzustellen und europäische Einmischung zu verhindern. Dies diente als Vorwand für zahlreiche US-Interventionen in Ländern wie Kuba, Panama, Nicaragua, Haiti und der Dominikanischen Republik. Erst 1933 läutete Präsident Franklin D. Roosevelt mit seiner „Good Neighbor Policy“ einen Paradigmenwechsel ein. Diese Politik der „guten Nachbarschaft“ verzichtete explizit auf das Recht zur Intervention in die inneren Angelegenheiten lateinamerikanischer Staaten und führte 1934 zur Aufhebung des Platt Amendments, mit Ausnahme der dauerhaften Pacht der Marinebasis Guantanamo Bay. Dies markierte einen Abschied von der „Big Stick“-Politik hin zu einer kooperativeren Haltung. Trumps aktuelle Rhetorik, die eine „Übernahme“ Kubas ins Spiel bringt, evoziert daher unweigerlich die Zeiten vor der „Good Neighbor Policy“. Ungeachtet seiner Absicht, eine rein wirtschaftliche Einflussnahme zu betonen, schwingt in seiner Wortwahl das historische Erbe amerikanischer Interventionspolitik mit, das die Souveränität Kubas stark einschränkte. Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Notlage und der sozialen Unruhen auf der Insel wirkt eine solche Drohung als direkte Konfrontation mit den Prinzipien der Selbstbestimmung und erinnert an eine Ära, die viele Lateinamerikaner als eine der Demütigung empfanden.