In Deutschland arbeiten immer mehr niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit. Eine aktuelle Erhebung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aus dem Jahr 2023 zeigt, dass mittlerweile fast die Hälfte aller Medizinerinnen und Mediziner in Praxen einen reduzierten Stundenumfang aufweist. Konkret sind es 47 Prozent, was einen deutlichen Anstieg gegenüber 2012 bedeutet, als dieser Anteil noch bei 34 Prozent lag. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei jüngeren Ärzten: Unter den Medizinerinnen und Medizinern unter 40 Jahren arbeiten sogar 65 Prozent in Teilzeit. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede sind erkennbar: 59 Prozent der Ärztinnen in Praxen entscheiden sich für Teilzeitarbeit, während es bei ihren männlichen Kollegen 38 Prozent sind. Hinsichtlich der Praxisform arbeiten in Einzelpraxen 43 Prozent der Ärzte reduziert, in Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) liegt der Anteil sogar bei 54 Prozent. Parallel zur Zunahme der Teilzeitarbeit ist auch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit gesunken. Im Jahr 2023 betrug sie im Schnitt 46,1 Stunden, im Vergleich zu 51,5 Stunden im Jahr 2012. Jüngere Ärztinnen und Ärzte unter 40 Jahren arbeiten durchschnittlich 42,1 Stunden pro Woche. Frauen kommen im Schnitt auf 42,8 Stunden, während Männer durchschnittlich 48,7 Stunden wöchentlich arbeiten. Dieser Wandel ist primär auf den Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance zurückzuführen, ein Anliegen, das insbesondere bei jüngeren Generationen an Bedeutung gewinnt. Obwohl die Gesamtzahl der niedergelassenen Ärzte gestiegen ist, führt die zunehmende Teilzeitbeschäftigung zu einem realen Rückgang der insgesamt geleisteten Versorgungsstunden. Dr. Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied der KBV, betont, dass dies den ohnehin bestehenden Ärztemangel zusätzlich verschärft. Die KBV schätzt, dass etwa 18.000 zusätzliche Ärzte in Vollzeitäquivalenten benötigt würden, um den durch die reduzierten Arbeitszeiten entstandenen Versorgungsrückstand auszugleichen. Die KBV fordert daher politische Maßnahmen, um die Rahmenbedingungen für die Praxistätigkeit attraktiver zu gestalten und die Ärzte zu entlasten. Das geplante „Zukunftsgesetz“ zur Reform der ambulanten Versorgung wird in diesem Kontext als nicht ausreichend kritisiert. Stattdessen werden der Abbau von Bürokratie, die Förderung digitaler Lösungen und eine gerechte Vergütung als entscheidende Schritte zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Deutschland genannt. Die Grundlage dieser Daten bildet die „Praxisbefragung 2023“ der KBV.