Studie beleuchtet: Hochbegabte Männer zeigen geringeren Konservatismus
Eine aktuelle Untersuchung wirft ein neues Licht auf die Persönlichkeitsmerkmale hochbegabter Männer. Demnach sind Männer mit einem besonders hohen Intelligenzquotienten (IQ) tendenziell weniger konservativ eingestellt als ihre Altersgenossen mit durchschnittlicher Intelligenz. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Kooperation der Hochschule Darmstadt mit Prof. Dr. Ulrich Schmidt-Denter von der Universität zu Köln, die sich der Erforschung von Hochbegabung widmet.
Für die Studie wurden 98 hochbegabte Männer im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, alle mit einem attestierten IQ von über 130, befragt. Ihre Antworten wurden mit denen einer Kontrollgruppe von 111 Männern verglichen, deren IQ im durchschnittlichen Bereich zwischen 100 und 115 lag. Die Teilnehmer beantworteten detaillierte Fragebögen zu verschiedenen Lebensbereichen, darunter Politik, gesellschaftliche Werte, Freizeitgestaltung, Familie, Beruf und Konsumverhalten.
Das zentrale Ergebnis war eindeutig: Die hochbegabten Männer zeigten signifikant weniger konservative Neigungen. Sie präsentierten sich in nahezu allen abgefragten Bereichen als offener, flexibler und weniger an starre Konventionen gebunden.
Im Detail zeigte sich dies wie folgt:
* **Politik:** Sie äußerten ein geringeres Interesse an etablierten Großparteien und bevorzugten keine spezifische politische Richtung. Stattdessen waren sie eher ungebunden und offen für neue politische Strömungen und Ideen.
* **Gesellschaftliche Werte:** Hochbegabte Männer sprachen sich verstärkt für Toleranz und Gleichstellung aus, zeigten sich offen gegenüber Minderheiten und unterstützten Debatten um Gender-Fragen. Traditionelle Geschlechterrollen lehnten sie eher ab.
* **Konsumverhalten:** Ihr Kaufverhalten war weniger von Markenloyalität geprägt. Stattdessen legten sie Wert auf Qualität und Funktionalität von Produkten, informierten sich umfassend vor dem Kauf und waren weniger anfällig für impulsives Konsumieren.
* **Berufsleben:** Sie äußerten einen starken Wunsch nach Autonomie und Eigenverantwortung, bevorzugten kreative Entfaltungsmöglichkeiten und suchten nach Berufen, die sie geistig herausforderten.
* **Familie:** Auch hier wichen sie von traditionellen Mustern ab, indem sie sich aktiv in die Vaterrolle einbrachten und eine gleichberechtigtere Aufgabenverteilung in der Familie befürworteten.
* **Freizeit:** Ihr Freizeitangebot war breit gefächert und umfasste häufig anspruchsvolle Hobbys im Bereich Kunst, Wissenschaft und Kultur.
Die Forscher vermuten, dass diese ausgeprägten Merkmale auf die überdurchschnittliche kognitive Kapazität zurückzuführen sind. Eine höhere Intelligenz ermöglicht ein komplexeres und differenzierteres Denken, die Fähigkeit, Konventionen kritisch zu hinterfragen, neue Perspektiven einzunehmen und ein größeres Maß an Empathie zu entwickeln. Dies fördert eine Weltsicht, die weniger dogmatisch und starr ist, sondern von Offenheit und Anpassungsfähigkeit geprägt wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Studie sich explizit auf Männer konzentriert hat; vergleichbare Daten für hochbegabte Frauen liegen noch nicht vor. Die Ergebnisse beschreiben zudem Korrelationen, nicht notwendigerweise Kausalzusammenhänge, bieten aber wertvolle Einblicke in die Persönlichkeitsstruktur von hochbegabten Männern.