Dr. Nina Scheer, die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, kritisiert die wiederholten Vorstöße von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezüglich des Betriebs von Atomkraftwerken als grundlegend unrealistisch. Söders Vorschläge, die eine Bevorratung oder Reaktivierung der Reaktoren Isar 2 und Neckarwestheim 2 umfassen, seien nach Scheers Ansicht weder rechtlich noch technisch oder wirtschaftlich umsetzbar. Nach Aussage Scheers scheitern Söders Ideen bereits an rechtlichen Grundlagen. Sie verweist auf das Atomgesetz (AtG), welches die kommerzielle Nutzung der Reaktoren nach ihrer endgültigen Abschaltung strikt untersagt. Eine Änderung dieser Bestimmung würde eine weitreichende und politisch hochumstrittene Gesetzesnovelle durch den Bundestag erfordern. Zudem sprechen erhebliche technische Hürden gegen eine Reaktivierung. Die für einen weiteren Betrieb notwendigen Brennstäbe sind verbraucht und müssten neu gefertigt werden. Dieser Herstellungsprozess nimmt zwei bis drei Jahre in Anspruch und ist zudem auf hochangereichertes Uran angewiesen, das primär aus Russland bezogen wird. Ein weiteres Problem stellt der Mangel an qualifiziertem Personal dar: Zahlreiche Ingenieure und Fachkräfte haben seit der Abschaltung andere Tätigkeiten aufgenommen oder sind in den Ruhestand getreten. Die Ausbildung neuen Fachpersonals würde Jahre in Anspruch nehmen. Ergänzend dazu befinden sich die Anlagen bereits im Status der Stilllegung, wobei Komponenten demontiert und Systeme auf den Rückbau vorbereitet werden. Auch wirtschaftlich sind Söders Pläne laut Scheer nicht vertretbar. Die Kosten für eine erneute Inbetriebnahme der Atomkraftwerke wären exorbitant, insbesondere wenn man die notwendigen Sicherheitsauflagen und umfassenden Modernisierungen für einen Weiterbetrieb berücksichtigt. Statt sich mit derartigen „Luftschlössern“ zu befassen, sollte der Fokus auf dem entschlossenen Ausbau erneuerbarer Energien und der Ertüchtigung der Stromnetze liegen, betont Scheer. Dies sei der einzig gangbare und nachhaltige Weg, um die Energieversorgung Deutschlands langfristig zu sichern. Die SPD-Expertin bezeichnete Söders wiederholte Forderungen als eine Art „Zaubershow“ oder „Wunschdenken“, das von den eigentlichen energiepolitischen Herausforderungen ablenke. Sie hebt hervor, dass die Atomkraftdebatte zwar immer wieder von bayerischer Seite angeheizt wird, die Bundesregierung jedoch konsequent den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt.