Spar-Chef Hans K. Reisch: Steuersenkungen sind keine Inflationslösung
Der Vorstandsvorsitzende von Spar, Hans K. Reisch, stellt die Wirksamkeit von Steuersenkungen als Mittel zur Inflationsbekämpfung in Frage. Er warnt davor, dass solche Maßnahmen das Problem möglicherweise sogar verschärfen könnten, indem sie die Nachfrage stimulieren, während das Angebot bereits eingeschränkt ist.
Reisch erläutert, dass der volle Nutzen von Steuersenkungen die Konsumenten möglicherweise gar nicht erreicht, da Unternehmen einen Teil davon absorbieren könnten. Entscheidender sei jedoch, dass in einer Wirtschaft, die bereits unter Lieferengpässen und einem angespannten Arbeitsmarkt leidet – wie es in Österreich der Fall ist –, eine weitere Ankurbelung der Nachfrage durch Steuersenkungen zu einem zusätzlichen Preisanstieg führen könnte. Er verweist auf frühere Erfahrungen, bei denen Steuersenkungen nicht die gewünschte Preisstabilisierung zur Folge hatten.
Als wahre Ursachen der Inflation benennt Reisch mehrere Kernprobleme:
1. **Die Lohn-Preis-Spirale:** Ein Teufelskreis aus steigenden Löhnen, die zu höheren Preisen führen, was wiederum Forderungen nach noch höheren Löhnen nach sich zieht.
2. **Arbeitskräftemangel:** Eine erhebliche Herausforderung für Österreich, die steigende Arbeitskosten und Produktionsbeschränkungen zur Folge hat. Er betont den dringenden Bedarf an Fachkräften und Lehrlingen.
3. **Energiekosten:** Trotz gewisser Schwankungen bleiben die Energiepreise ein wesentlicher Faktor, der die Gesamtkosten beeinflusst.
4. **Bürokratie und Regulierung:** Reisch kritisiert scharf die übermäßige Bürokratie, insbesondere bei Genehmigungsverfahren für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien wie Wind- und Wasserkraft. Er argumentiert, dass langwierige administrative Prozesse notwendige Investitionen behindern und Projektkosten in die Höhe treiben.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Spar Preissteigerungen von Lieferanten zwischen 10 und 15 Prozent verzeichnet. Reisch bestätigt, dass Spar einen Teil dieser Preiserhöhungen selbst getragen hat, um die Belastung für die Konsumenten zu mindern. Dies zeige das intensive Wettbewerbsumfeld im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel. Er unterstreicht, dass für die Bürger letztlich das Netto-Einkommen entscheidend ist – also der Betrag, der nach Abzug von Steuern und unter Berücksichtigung der Inflation übrig bleibt.
Reisch plädiert für eine Neuausrichtung des Fokus auf strukturelle Verbesserungen. Dazu gehören die Beschleunigung von Investitionen in die Energieinfrastruktur und die Straffung administrativer Abläufe. Er kritisiert das langsame Tempo der Regierung beim Übergang zu erneuerbaren Energien. Metaphorisch beschreibt er die Wirtschaft als eine „Sprungfeder“, die sich aufgrund übermäßiger Regulierung nicht effektiv entfalten kann, was Wachstum und notwendige Anpassungen behindert. Er fordert eine Politik, die ein dynamisches Wirtschaftsumfeld fördert, anstatt es mit unnötigen Komplexitäten zu belasten.