Spanien steht vor einer tiefgreifenden demografischen Krise, die durch niedrige Geburtenraten und eine schnell alternde Bevölkerung gekennzeichnet ist. Diese Entwicklung setzt die Sozialversicherungssysteme des Landes zunehmend unter Druck. Infolgedessen wächst die Erkenntnis, dass die spanische Wirtschaft und die sozialen Sicherungssysteme dringend auf Migranten angewiesen sind. Eine von Nichtregierungsorganisationen ins Leben gerufene Initiative namens „Regularización Ya“ (Jetzt Regularisierung) hat große politische Beachtung gefunden. Ziel ist es, etwa eine halbe Million undokumentierte Einwanderer, die bereits in Spanien leben und arbeiten, mit Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen auszustatten. Diese Menschen tragen oft unter prekären Bedingungen zur Wirtschaft bei, ohne die vollen Rechte und den Schutz zu genießen, die ihnen zustehen würden, und der Staat verzichtet gleichzeitig auf Steuereinnahmen. Die Kampagne hat bereits die Unterstützung von über 600.000 Bürgern erhalten und wird nun im Parlament debattiert. Zahlreiche politische Parteien, darunter die regierende PSOE, Sumar, ERC, EH Bildu und PNV, sowie einzelne Stimmen aus der konservativen PP, signalisieren ihre Zustimmung. Die Argumentation ist vorwiegend pragmatischer Natur: Es geht nicht nur um humanitäre Aspekte, sondern um die Notwendigkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Beitragsbasis der Sozialsysteme zu stärken. Eine ähnliche Maßnahme wurde bereits während der Covid-19-Pandemie in Portugal erfolgreich umgesetzt. Befürchtungen, dass eine solche Legalisierung einen „Pull-Faktor“ für weitere irreguläre Migration schaffen könnte, werden von den Initiatoren zurückgewiesen. Sie betonen, dass die Regelung primär jene betrifft, die sich bereits seit Langem im Land aufhalten und hier arbeiten. Das Hauptziel ist die Integration dieser Menschen in den legalen Arbeitsmarkt, um ihnen zu ermöglichen, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zu leisten. Migranten tragen laut Studien bereits jetzt überproportional zur Sozialversicherung bei und sind in entscheidenden Sektoren wie der Landwirtschaft, der Pflege und dem Baugewerbe unverzichtbar. Obwohl die Herausforderungen der irregulären Migration, insbesondere über die Kanarischen Inseln, weiterhin bestehen, konzentriert sich die Initiative auf die Legalisierung derjenigen, die bereits Teil der spanischen Gesellschaft und Wirtschaft sind. Dies wird als eine essenzielle Maßnahme angesehen, um die demografischen und wirtschaftlichen Zukunft Spaniens zu sichern.