Sebastian Kehls ungewisse Zukunft bei Borussia Dortmund
Ob Sebastian Kehl nach dem Jahr 2025 weiterhin die Position des Sportdirektors bei Borussia Dortmund innehaben wird, ist fraglich. Der Vertrag des ehemaligen BVB-Kapitäns läuft im Sommer des kommenden Jahres aus, und die jüngsten Personalentscheidungen im Verein werfen Schatten auf seine langfristige Verbleib. Das bisherige Arbeitsverhältnis zwischen Kehl und den Verantwortlichen, insbesondere Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, verlief stets harmonisch, doch die aktuellen Entwicklungen deuten auf eine Veränderung seiner Rolle hin.
Ab dem 1. Mai übernimmt Lars Ricken, bisher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, die neu geschaffene Position des Geschäftsführers Sport. Ricken wird damit über Kehl stehen und die gesamte sportliche Abteilung verantworten. Diese Umstrukturierung bedeutet, dass Kehl künftig an Ricken berichten muss und somit nicht mehr direkt Watzke unterstellt ist, wie es bisher der Fall war. Dieser Wechsel in der Hierarchie ist eine wesentliche Änderung für Kehls bisherigen Einflussbereich.
Erschwerend kommt hinzu, dass Sven Mislintat, bekannt als der „Diamantenauge“ und langjähriger Kaderplaner bei Dortmund, zum BVB zurückkehrt. Auch Mislintat wird ab dem 1. Mai als Technischer Direktor in Rickens Team arbeiten. Seine Aufgaben umfassen die Kaderplanung und die Scouting-Abteilung, was sich direkt mit Kehls Kompetenzen als Sportdirektor überschneiden könnte. Die Dreierkonstellation Ricken, Kehl, Mislintat führt zu einer komplexen Machtverteilung, die Kehls bisherige Alleinstellung infrage stellt.
Einst galt Kehl als der natürliche Nachfolger von Michael Zorc auf der Position des Sportdirektors und als Mann für die langfristige sportliche Ausrichtung des Klubs. Nun scheint seine Machtbasis deutlich geschwächt. Innerhalb des Vereins wird bereits von einem „Machtkampf“ gesprochen, oder zumindest von einer erheblichen Umgewichtung der Zuständigkeiten.
Kehls primäre Aufgaben als Sportdirektor umfassen die Gestaltung des Kaders und die Transferaktivitäten. Angesichts der neuen Struktur stellt sich die Frage, wie viel Handlungsfreiheit und Einfluss er in Zukunft noch haben wird. Wird seine Rolle auf eine rein operative Ebene reduziert, während Ricken die strategischen Entscheidungen trifft?
Die Bilanz von Kehls Transferentscheidungen während seiner Amtszeit ist gemischt. Während einige Verpflichtungen wie Niclas Füllkrug und Felix Nmecha nicht immer die Erwartungen erfüllten, zeigten sich bei Spielern wie Karim Adeyemi und Donyell Malen Licht und Schatten. Sébastien Haller konnte nach seiner Genesung ebenfalls nicht immer an frühere Leistungen anknüpfen. Die Erwartungen, nach dem Abgang von Schlüsselspielern wie Erling Haaland und Jude Bellingham erfolgreich neu aufzubauen, waren hoch und nicht immer leicht zu erfüllen.
Hans-Joachim Watzke betonte zwar, dass Kehl „unser Sportdirektor“ sei und er ihn „unschätzbar“ schätze. Diese Worte stehen jedoch im Kontrast zur neu etablierten Struktur, die Ricken klar als Vorgesetzten positioniert. Watzkes Äußerungen könnten als Versuch gewertet werden, die Situation zu beschwichtigen und Kehl den Rücken zu stärken, ohne die faktische Hierarchieänderung zu leugnen.
Die neue Aufstellung soll Transparenz schaffen und die Verantwortlichkeiten eindeutig regeln. Ricken wird die übergeordnete Kontrolle über alle sportlichen Bereiche ausüben, von der Jugend über die Frauenabteilung bis hin zum Profifußball. Kehl, der Sportdirektor der Profimannschaft, wird sich in diese Gesamtstruktur einfügen müssen.
Für Kehl eröffnen sich nun zwei Hauptoptionen: Entweder er akzeptiert eine möglicherweise reduzierte und stärker koordinierte Rolle innerhalb der neuen Hierarchie, oder er sucht ab 2025 eine neue berufliche Herausforderung außerhalb des BVB. Sein bis 2025 laufender Vertrag gibt ihm ausreichend Zeit, diese Entscheidung wohlüberlegt zu treffen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die neue Führungskonstellation beim BVB bewährt und welche Rolle Sebastian Kehl darin langfristig spielen wird.