Ein russischer Regionalgouverneur hat Unternehmen angewiesen, Mitarbeiter für den Kriegsdienst zu nominieren, was als Versuch gedeutet wird, die russische Kriegsführung in der Ukraine aufrechtzuerhalten, ohne eine unpopuläre allgemeine Mobilisierung ausrufen zu müssen. Sergej Ziwiljow, Gouverneur der Region Kemerowo, hat eine Anordnung erlassen, die Unternehmen mit mehr als 20 Angestellten verpflichtet, mindestens zwei männliche Mitarbeiter für den Militärdienst vorzuschlagen. Diese Aufforderung richtet sich explizit an Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren, die bereits Wehrdienst geleistet haben oder Kampferfahrung besitzen. Bemerkenswert ist, dass diese Anweisung auch für Personen gilt, die eigentlich eine „Bron“ (Befreiung von der Mobilmachung) besitzen. Die Initiative wird offiziell als „freiwillige Auswahl“ für die Bildung neuer Freiwilligenbataillone, insbesondere des Bataillons „Sibir“, dargestellt. Ziwiljow ist seit Beginn des Krieges in der Ukraine aktiv an der Rekrutierung von Freiwilligen beteiligt. Bisher hatte seine Region bereits 1.400 Männer für den Fronteinsatz entsandt. Für die potentiellen Freiwilligen sind die Bedingungen attraktiv: Es werden hohe Gehälter von bis zu 200.000 Rubel monatlich, eine gute Ausrüstung sowie intensive Ausbildung versprochen. Dieser Ansatz aus Kemerowo ist kein Einzelfall, sondern spiegelt eine breitere Strategie russischer Regionen wider, eigene Freiwilligeneinheiten aufzustellen. Ziel ist es, die militärische Stärke Russlands im Konflikt mit der Ukraine zu erhöhen. Experten sehen in Ziwiljows Vorgehen eine Methode, die Grenzen zwischen freiwilliger Meldung und erzwungener Rekrutierung zu verwischen. Die Anweisung an Unternehmen, Kandidaten „auszuwählen“, übt erheblichen Druck auf Arbeitgeber und potenzielle Kandidaten aus. Kritiker ziehen Parallelen zu sowjetischen Zeiten, in denen scheinbar „freiwillige“ Beiträge erwartet wurden, die in Wirklichkeit von oben angeordnet waren. Das russische Präsidialamt stützt sich offenbar auf solche regionalen Initiativen, um eine weitere allgemeine Mobilmachung zu vermeiden, die nach der ersten Welle im September 2022 auf breite Ablehnung in der Bevölkerung stieß. Die Regierung von Kemerowo soll sich das Ziel gesetzt haben, bis Ende 2023 2.000 weitere Freiwillige zu rekrutieren.