Die anhaltenden Personalengpässe der russischen Streitkräfte werden durch eine neue Anordnung im russischen Fernen Osten deutlich. Michail Degtjarjow, der Gouverneur der Region Chabarowsk, hat eine Verordnung erlassen, die lokale Unternehmen dazu verpflichtet, jeweils mindestens zwei ihrer Angestellten als potenzielle Kandidaten für den Militärdienst zu nominieren. Diese Bestimmung ist vorerst bis zum Ende des Jahres gültig. Die Direktive schreibt vor, dass die vorgeschlagenen Personen die notwendigen Voraussetzungen für den Wehrdienst erfüllen müssen. Das primäre Ziel dieser Maßnahme ist es, die Reihen der russischen Streitkräfte zu stärken. Unternehmen sind angewiesen, bis zum 31. Dezember 2024 die Namen der ausgewählten Mitarbeiter zusammen mit detaillierten persönlichen Daten wie Geburtsdatum, Geschlecht, Bildungsstand, beruflicher Werdegang und Familienstand an die zuständigen Einberufungsämter zu übermitteln. Die benannten Kandidaten sollen im Anschluss eine militärische Ausbildung durchlaufen. Das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Post hatte zuerst über diese Entwicklung berichtet, wobei es sich auf das offizielle Dokument von Gouverneur Degtjarjow bezog. Die russische Nachrichtenagentur Interfax bestätigte die Authentizität der Verordnung. Derzeit bleibt unklar, ob es sich bei dieser Anweisung um eine isolierte regionale Initiative handelt oder ob sie als Modell für ähnliche Maßnahmen in anderen russischen Regionen dienen könnte. Bereits 2022 hatte der Kreml eine umstrittene Teilmobilmachung angeordnet, die weitreichende Diskussionen auslöste und zu erheblichen Auswanderungsbewegungen führte. Trotz wiederholter Beteuerungen von Präsident Putin, dass eine erneute Mobilmachung nicht erforderlich sei und die Streitkräfte ausreichend durch Freiwillige und Vertragssoldaten verstärkt würden, gehen Analysten davon aus, dass Russland weiterhin Schwierigkeiten hat, ausreichend Personal für den anhaltenden Konflikt in der Ukraine zu rekrutieren. Trotz dieser Annahmen meldete die Ukraine im Jahr 2024, dass Russland monatlich rund 21.000 neue Soldaten rekrutiere. Zudem gibt es Berichte über Zwangsrekrutierungen in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine.