Russische Angriffe setzen historischen k.u.k.-Bauten in der Ukraine zu
Der Konflikt in der Ukraine hat nicht nur unzählige Menschenleben gefordert und tiefes Leid hervorgerufen, sondern auch vor dem reichen historischen und kulturellen Erbe des Landes keinen Halt gemacht. Über die letzten zwei Jahre hinweg sind etliche historische Gebäude, die aus der Ära der österreichisch-ungarischen Monarchie stammen, entweder gänzlich vernichtet oder erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden.
Dies geht aus einer gemeinsamen Initiative hervor, die von ukrainischen Denkmalschutzexperten und der deutschen Botschafterin in Kiew, Anka Feldhusen, ins Leben gerufen wurde, wie das österreichische Außenministerium berichtete. Die Gruppe „Save Ukrainian Heritage“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zerstörung des ukrainischen Kulturerbes seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 systematisch zu erfassen. Im Rahmen ihrer Arbeit wurde auch eine Ausstellung zur Würdigung der Opfer entwickelt.
Die am Montag von Außenminister Alexander Schallenberg eröffnete Ausstellung „Protecting Ukrainian Heritage“ ist bis zum 31. Mai in der Diplomatischen Akademie Wien zugänglich. Sie verdeutlicht die verheerenden Konsequenzen des Krieges für das Kulturerbe der Ukraine und illustriert die Anstrengungen zu dessen Rettung und Konservierung.
Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf den architektonischen Hinterlassenschaften der k.u.k.-Epoche, welche die Stadtbilder von Lemberg (Lwiw), Czernowitz (Tscherniwzi), der Karpatenregion und Teilen von Odessa bis heute maßgeblich formen. Zu diesen zählen beispielsweise die Synagoge in Brody, die Kathedrale von Czernowitz sowie zahlreiche Wohn- und Verwaltungsgebäude in Lemberg.
„Das kulturelle Erbe der Ukraine repräsentiert einen fundamentalen Teil ihrer Identität und historischen Entwicklung. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, dieses zu schützen und für zukünftige Generationen zu bewahren“, betonte Außenminister Schallenberg anlässlich der Eröffnung.
Die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, hat seit dem Ausbruch des Krieges 125 Kulturstätten in der Ukraine als beschädigt oder vollständig zerstört verzeichnet. Diese Zahlen umfassen 54 religiöse Einrichtungen, 25 historische Bauwerke, 15 Museen, 18 Denkmäler, 10 Bibliotheken und drei weitere Gebäude.
„Diese Statistiken sind alarmierend und veranschaulichen das Ausmaß der Verwüstung. Jeder Verlust eines Kulturguts stellt einen Verlust für die gesamte Menschheit dar“, führte Schallenberg weiter aus.
Österreich beteiligt sich proaktiv am Schutz des ukrainischen Kulturerbes. Neben finanziellen Zuwendungen für die UNESCO-Initiative zugunsten der Ukraine entsendet das Außenministerium zudem Fachkräfte, um die Erfassung und den Schutz der Bauwerke zu fördern.
„Wir stehen der Ukraine entschlossen zur Seite und werden unsere Unterstützung beim Schutz ihres einzigartigen Kulturguts fortsetzen“, versicherte der Außenminister.