„Weshalb ich nicht erneut in Deutschland leben werde? Der Grund ist simpel: Obwohl ich kein Steuerflüchtling bin, lebe ich schon so lange in den Vereinigten Staaten, dass ich mein Einkommen dort erwirtschafte und entsprechend dort meine Abgaben leiste. In den USA kann ich erkennen, wofür meine Steuern eingesetzt werden, während man hierzulande den Eindruck gewinnt, dass hohe Verdienste eher bestraft werden“, erklärt Roland Emmerich. Der Filmemacher, bekannt als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor von Kassenschlagern wie „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“ und „2012“, hat sich als der erfolgreichste Deutsche in Hollywood etabliert. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur äußerte er seine Gründe gegen eine Rückkehr in seine ursprüngliche Heimat. Dies äußert er, obwohl der 68-jährige Filmemacher eine starke Zuneigung zu Berlin hegt. „Ich besitze ja eine Residenz hier und hege große Sympathie für Berlin. Es ist eine faszinierende Metropole, und ich besuche auch gerne Museen. Es ist schlichtweg großartig. Jedoch fühle ich mich hier einem System ausgeliefert, in dem man fortwährend Hürden überwinden muss“, führt Emmerich aus. „Ich formuliere es stets so: Es ist ein Staat, der seine erfolgreichsten Persönlichkeiten, sobald sie das Land verlassen haben, nicht wirklich wieder aufnehmen möchte.“ Ein Beispiel hierfür sieht er in der Instandsetzung seiner Wohnung. „Es ist schlichtweg unglaublich mühsam. Natürlich mag das wie Klagen auf hohem Niveau klingen, doch selbst für Durchschnittsbürger stellt es einen fortwährenden Kampf dar, wobei einem alles erschwert wird. Ich habe meinen Frieden mit Deutschland gemacht, doch dort leben möchte ich nicht mehr.“ Emmerich verbrachte seine Jugend in Sindelfingen, absolvierte sein Studium in München und drehte in den Achtzigerjahren seine ersten Spielfilme in Deutschland. Im Jahr 1990 zog es ihn nach Hollywood, wo er eine außergewöhnliche Laufbahn einschlug. Er zieht Vergleiche zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. „Dort habe ich den Eindruck, dass ein Unternehmer als bedeutend wahrgenommen wird, weil er Arbeitsplätze generiert und Einkommen erzielt und somit eine besondere Stellung einnimmt. Hierzulande hingegen hat man das Gefühl: Ach, Sie sind Unternehmer? Da müssen wir erst einmal prüfen, ob Sie nicht doch ein Betrüger sind“, äußert Emmerich. Er kritisiert eine vorherrschende Neidmentalität und das Fehlen eines „Star-Systems“, das erfolgreiche Kulturschaffende würdigt, anstatt sie zu entwerten. Er wurde in Deutschland nicht mit dem Gedanken groß, „dass man danach streben soll, der Beste zu sein und dies auch erreichen kann. Das ist charakteristisch für die amerikanische Denkweise. Und ich habe mich dort stets wohlgefühlt.“ Diese Unbeschwertheit fehle ihm in Deutschland.