Richard Goldberg fordert eine offene Handelsroute: Europas Weg vom Persischen Golf zum Mittelmeer
Ein versierter Fachmann für Sanktionen gegen den Iran beschreibt eindringlich Europas gefährliche Abhängigkeit von Russland und China und plädiert für ein Ende der beschwichtigenden Haltung gegenüber Teheran.
Angesichts des sich verschärfenden geopolitischen Umfelds, geprägt vom Ukraine-Krieg und den Spannungen um Taiwan, ist eine Neuausrichtung der europäischen strategischen Interessen unerlässlich. Richard Goldberg, ein Senior Advisor der Foundation for Defense of Democracies (FDD) und ehemaliger Direktor für Iran-Gegenmaßnahmen im Nationalen Sicherheitsrat der USA (2019–2020), ruft zu einem grundlegenden Kurswechsel auf.
„Um künftige Abhängigkeiten von den Großmächten von heute und morgen zu vermeiden, benötigt Europa dringend eine durchgehende Verkehrsachse vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer“, erklärte Goldberg unlängst gegenüber der „Presse“ während seines Aufenthalts in Wien. Er entwarf dabei das Bild einer Allianz der Kooperationsbereiten, die diese Verbindung erschaffen könnte: Staaten wie Saudi-Arabien, Jordanien, Israel, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Goldberg, dessen umfassende Expertise das iranische Atomprogramm und dessen Konsequenzen umfasst, übt scharfe Kritik an den andauernden EU-Gesprächen mit dem Iran zur Reaktivierung des Atomabkommens (JCPOA). „Durch die Fortsetzung dieser Verhandlungen macht sich die EU zum Mittäter des Regimes“, betonte Goldberg. „Jeder einzelne Euro, den das Regime mittels Ölexporten generiert, fließt in die Finanzierung von Terrorismus und in die Destabilisierung der gesamten Region.“
Obwohl die Biden-Administration in den Vereinigten Staaten ebenfalls einen diplomatischen Ansatz verfolgt, agiere sie keineswegs naiv. „Die USA haben Sanktionen verhängt und ihre militärische Präsenz in der Region ausgebaut, um dem Iran unmissverständlich Grenzen aufzuzeigen“, erklärte Goldberg. „Europa ist gefordert, seine Position zu überprüfen und eine proaktivere Rolle zur Sicherung der eigenen Interessen einzunehmen.“
Dabei gehe es nicht allein um Erdöl und Erdgas, sondern um eine umfassende Transportinfrastruktur, die Europa eine größere Unabhängigkeit von den globalen Großmächten verleihen würde. „Wir sprechen hier von einer Infrastruktur, die Europas Widerstandsfähigkeit in Bezug auf Lieferketten, Energieversorgung und strategische Partnerschaften erheblich stärken würde“, hob Goldberg hervor.
Die Europäische Union muss ihre Energieversorgung diversifizieren und neue Quellen erschließen. „Es ist nicht tragbar, weiterhin von Russland und China abhängig zu sein“, bekräftigte Goldberg. „Europa muss seine Partnerschaften in der Region festigen und eine abgestimmte Strategie entwerfen, um seine Interessen effektiv zu wahren.“