Regensburgs erster Armuts- und Teilhabebericht: Soziale Ungleichheit trotz Wohlstand
Regensburg hat nun erstmals einen umfassenden Bericht zur Armut und Teilhabe in der Stadt. Die Vorstellung der Ergebnisse durch Sozialreferentin Dr. Astrid Freudenstein (CSU) und Professorin Dr. Christine Ziegler von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg im Rathaus markierte den Beginn einer neuen Ära in der städtischen Sozialpolitik. Mit dieser detaillierten Datengrundlage kann die soziale Arbeit in Regensburg künftig präziser und zielgerichteter gestaltet werden.
Der im September 2019 vom Regensburger Stadtrat initiierte Bericht, erarbeitet von der OTH, zeichnet ein authentisches Bild der sozialen Gegebenheiten in der Domstadt, so Freudenstein. Er verdeutlicht die Zahl der von Armut Betroffenen oder Gefährdeten, die spezifischen Formen der Armut in Regensburg sowie die primären Risikogruppen. Freudenstein hob hervor, dass Armut keineswegs auf ökonomisch schwache Kommunen oder ländliche Gebiete beschränkt sei, sondern auch in einer florierenden Stadt wie Regensburg präsent ist.
Die Studienergebnisse zeigen auf, dass in Regensburg 14 Prozent der Einwohner als armutsgefährdet gelten, während sieben Prozent tatsächlich von Armut betroffen sind. Professorin Ziegler erläuterte, dass Armut ein vielschichtiges Phänomen ist, das sich nicht allein durch einen Indikator erfassen lässt. Sie betonte: "Wir haben eine umfangreiche Datenauswertung vorgenommen, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten." Der Bericht enthält sowohl quantitative Statistiken als auch qualitative Erkenntnisse, gewonnen durch Gespräche mit Betroffenen und Fachleuten.
Zudem legt die Studie dar, dass Armut häufig im Verborgenen bleibt und hinter scheinbar stabilen Fassaden existiert. Sie identifiziert spezifische Bevölkerungsgruppen, die überdurchschnittlich oft von Armut betroffen sind: Dazu gehören kinderreiche Familien (16 Prozent der Regensburger Kinder leben in Armut), Alleinerziehende (zwölf Prozent), Personen mit Migrationshintergrund (22 Prozent) sowie Senioren (zehn Prozent). Ferner beleuchtet der Bericht die Zusammenhänge zwischen Armut, Isolation, niedrigerem Bildungsniveau und schlechterer Gesundheitslage.
Ein zentraler Aspekt des Berichts ist auch das Konzept der Teilhabe. Freudenstein hob hervor: "Armut führt stets auch zu einem Ausschluss von gesellschaftlichen Unternehmungen." Der Bericht analysiert, inwieweit Armut die Beteiligung in Bereichen wie Bildung, Kultur, Sport und sozialen Interaktionen beeinträchtigt. Das übergeordnete Ziel besteht darin, Strategien zu entwickeln, die die Partizipation aller Bewohnerinnen und Bewohner verbessern und soziale Disparitäten verringern.
Freudenstein stellte klar, dass der vorliegende Bericht nicht bloß archiviert werden soll, sondern als "aktive Arbeitsgrundlage" fungiert. Er dient nun als Fundament für die Konzeption und Umsetzung spezifischer Maßnahmen und Projekte. Eine potenzielle erste Maßnahme ist die Ausweitung des "Regensburg-Passes", der Personen mit geringem Einkommen vergünstigten Zugang zu kommunalen Dienstleistungen bietet. Freudenstein formulierte das Ziel: "Es gilt zu prüfen, wie wir den Regensburg-Pass optimieren können, um dessen Reichweite zu erhöhen."
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) zeigte sich ebenfalls erfreut über die Erstellung des Berichts. Sie erklärte: "Unser Bestreben ist, dass alle Einwohner Regensburgs ein gutes Leben führen können." Der Armuts- und Teilhabebericht stelle dabei einen "wesentlichen Schritt" dar. Es sei entscheidend, Armut nicht als Tabuthema zu behandeln, sondern eine offene Diskussion darüber zu führen und aktiv nach Lösungen zu suchen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Armuts- und Teilhabebericht ein umfassendes Dokument darstellt, das die sozialen Verhältnisse in Regensburg detailliert aufzeigt. Er verdeutlicht, dass Armut auch in einer wirtschaftlich starken Stadt wie Regensburg eine ernstzunehmende Herausforderung ist und dass ein zielgerichtetes Vorgehen unerlässlich ist. Dieser Bericht soll als Basis für eine effektivere soziale Arbeit in der Stadt dienen und maßgeblich zur Verbesserung der Lebensumstände aller Bewohner beitragen.