Eine bekannte russische Influencerin, die durch ihre Online-Kurse ein beträchtliches Vermögen angehäuft hat, hat Präsident Wladimir Putin und die russische Führungselite offen kritisiert. Sie wirft ihnen vor, isoliert von den realen Lebensbedingungen der Bürger zu sein und die Ängste sowie Nöte der Bevölkerung zu ignorieren – und betont, dass die Menschen vor ihnen Furcht empfinden. Elena Blinowskaja, deren „Marathon der Wünsche“ sie zu Millionärin machte, richtete ihre scharfen Worte über soziale Medien an die politischen Entscheidungsträger. Sie unterstellte ihnen, in einer abgeschotteten Welt zu leben, ohne Verständnis für die Sorgen der einfachen Leute, insbesondere angesichts des andauernden Krieges und der damit verbundenen Verluste. Blinowskaja forderte Putin direkt auf, „genauer hinzusehen“, wie die Elite in Luxus schwelge, während der Rest der Gesellschaft leide und zum Dienst an der Front einberufen werde. Sie äußerte, dass die Machthaber in ihren „Palästen“ residieren und die Menschen von ihnen eingeschüchtert seien, was die gravierende Distanz zwischen Regierenden und Regierten verdeutlicht. Derart offene Kritik am russischen System ist mit erheblichen Risiken verbunden. Persönlichkeiten wie Alexej Nawalny oder Wladimir Kara-Mursa wurden für ähnliche oder sogar mildere Äußerungen inhaftiert und zu langen Haftstrafen verurteilt. Blinowskajas eigene Stellung als wohlhabende und medial präsente Person, die selbst Teil der von ihr kritisierten High Society ist, könnte ihr einen gewissen, wenngleich begrenzten, Schutz bieten. Ihre Millionen von Followern verleihen ihren Worten zusätzliches Gewicht. Obwohl ihr „Marathon der Wünsche“ sie zu Reichtum verholfen hat, geriet sie auch ins Visier der Behörden, unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Dennoch bleibt ihre direkte und unverblümte Ansprache an die Staatsführung bemerkenswert mutig und hochriskant. Die öffentliche Aussage, dass die Bürger Angst vor ihrer eigenen Regierung haben, unterstreicht die tiefe Kluft zwischen der politischen Klasse und der breiten Bevölkerung Russlands.