Ein mysteriöser Radiosender, der unter dem Namen „Radio Payam“ (Radio Botschaft) auf Persisch sendet, fordert seine Hörerinnen und Hörer offen dazu auf, Widerstand gegen das iranische Regime zu leisten. Auffallend ist, dass dieser Kurzwellensender offenbar seine Signale aus Deutschland aussendet. Seit etwa einem Jahr wird dieser Sender, dessen genauer Standort unbekannt ist, regelmäßig auf der Frequenz 3975 kHz im 75-Meter-Band ausgestrahlt. Dies geschieht in den frühen Abendstunden deutscher Zeit, üblicherweise ab etwa 17 Uhr UTC (18 Uhr MEZ), und die Sendungen dauern bis in die Nacht. Typischerweise starten sie mit dem Klang eines Paukenschlags, gefolgt von einer tiefen männlichen Stimme, die die Hörer als „patriotische Landsleute“ anspricht. Der Empfang des Senders ist in weiten Teilen Europas sehr gut, was auf eine hohe Sendeleistung hindeutet. Die Inhalte der Sendungen bestehen hauptsächlich aus Protestliedern, Berichten über die aktuelle Lage im Iran sowie Aufrufen zum Sturz des Regimes und zur Unterstützung von Streiks und Demonstrationen. Die Botschaften werden klar und deutlich formuliert: „Steht auf und wehrt euch!“, „Wir müssen die Revolution vorantreiben!“ oder „Lasst euch nicht von der korrupten Regierung einschüchtern!“ sind typische Aufforderungen. Über die Betreiber und die Finanzierung von Radio Payam gibt es bislang keine verlässlichen Informationen. Mehrere Indizien deuten darauf hin, dass der Sender aus Deutschland betrieben wird. Eine Analyse der Signalstärke und der Wellenausbreitung zeigt eine deutliche Konzentration des Signals über Mitteleuropa, insbesondere über Deutschland. Dies passt zu einem Senderstandort in dieser Region. Obwohl in den Sendeplänen von Gemanager Shortwave Center, einer bekannten Quelle für Kurzwellenfrequenzen, die Frequenz 3975 kHz nicht offiziell für Deutschland gelistet ist, gab es in der Vergangenheit ähnliche Fälle von „Piraten“- oder „Phantom“-Sendern, die unautorisiert auf Sendung gingen. Experten vermuten, dass die Sendeanlage möglicherweise auf einem Areal betrieben wird, das bereits für Kurzwellenübertragungen genutzt wird, um so die Herkunft zu verschleiern. In der Geschichte gab es bereits vergleichbare Fälle. Beispielsweise sendete von 1990 bis 1996 ein „Radio Iran International“ auf Arabisch und Farsi und forderte zur Revolution auf. Später stellte sich heraus, dass dieser Sender aus Israel operierte und vom Mossad finanziert wurde. Auch heute noch sind Sender wie „Radio Farda“ aus Tschechien und „Kol Israel International“ bekannte Beispiele für Auslandssender, die in bestimmten Ländern kritische Inhalte verbreiten. Sollte sich herausstellen, dass Radio Payam tatsächlich aus Deutschland sendet, hätte dies erhebliche rechtliche und politische Konsequenzen. Das unerlaubte Betreiben einer Sendeanlage stellt einen Verstoß gegen das deutsche Telekommunikationsgesetz dar, der mit Bußgeldern oder sogar Haftstrafen geahndet werden kann. Darüber hinaus könnte Deutschland gegen internationales Recht verstoßen, insbesondere gegen das völkerrechtliche Interventionsverbot, da die Sendungen eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates darstellen. Dies könnte die deutsch-iranischen Beziehungen zusätzlich belasten. Die Identität der Hintermänner von Radio Payam bleibt ein Rätsel. Es könnte sich um eine iranische Oppositionsgruppe handeln, die aus dem Exil agiert, oder um eine ausländische Regierung, die den Sturz des Teheraner Regimes beabsichtigt. Auch eine Beteiligung von deutschen Akteuren ist nicht auszuschließen, was für die Bundesrepublik Deutschland diplomatisch sehr heikel wäre. Die Situation erinnert an die Ära des Kalten Krieges, als westliche Staaten wie die USA mit Sendern wie „Radio Free Europe“ Propaganda gegen die kommunistischen Ostblockstaaten betrieben. Die Suche nach dem Ursprung von Radio Payam geht weiter, und die Umstände der Sendungen werfen weiterhin Fragen auf, die politische und rechtliche Implikationen für Deutschland haben könnten.