Paris bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2024 vor und strebt eine Entwicklung zu einer moderneren, umweltfreundlicheren und lebenswerteren Stadt an. In diesem Kontext soll auch der Tour Montparnasse endlich sein ungeliebtes Image als architektonischer Makel verlieren. Eine Eigentümergemeinschaft, hauptsächlich bestehend aus Versicherungen und Banken, plant eine Investition von 300 Millionen Euro, um dem 210 Meter hohen Turm zu neuem Glanz zu verhelfen. Diese Neugestaltung stellt eine der größten Aufgaben in der Stadtentwicklung von Paris dar. Die Stadtverwaltung unterstützt die Metamorphose des Wolkenkratzers, der zukünftig nicht nur als reines Geschäftshaus dienen, sondern auch Räumlichkeiten für Kunst, Kultur und Gastronomie bieten soll – ein Vorhaben unter großem Zeitdruck. Ein 2017 initiierter Architekturwettbewerb wurde vom Pariser Büro Nouvelle AOM, einem Kollektiv dreier Architektinnen, gewonnen. Ihr Konzept sieht eine Aufstockung des Turms um 18 Meter vor, die Integration eines riesigen Gewächshauses, eine Begrünung der Fassade und die Schaffung weiterer öffentlicher Zugänge. Ziel ist es, 15.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche zu schaffen, um den Turm für Pariser Bürger und Touristen gleichermaßen attraktiver zu gestalten. Das Projekt verfolgt zudem ökologische Ziele, indem es die Energieeffizienz signifikant verbessern und einen Großteil des Gebäudes mit erneuerbaren Energien versorgen soll. Die größte Hürde stellt die kurze Bauzeit dar. Der Umbau soll innerhalb von lediglich fünf Jahren, von 2019 bis 2023, realisiert werden. Dies bedeutet, dass die rund 5.000 Mitarbeiter des Turms während der gesamten Bauphase ungestört arbeiten können müssen. Auch die Besucher der Aussichtsplattform sollen keine Beeinträchtigungen erfahren. Um die Lärm- und Staubbelastung auf ein Minimum zu reduzieren, erfordert das Vorhaben eine extrem detaillierte Planung. Eine weitere Schwierigkeit ist die Logistik, da der Turm in einem belebten Viertel liegt und nur eingeschränkte Zufahrtswege bestehen. Die Koordination von Baukranen und Materialtransporten muss erfolgen, ohne den Verkehrsfluss und das städtische Leben übermäßig zu stören. Die Finanzierung des Projekts ist durch die Eigentümer gesichert. Von großer Bedeutung ist jedoch auch die Kommunikation mit den Anwohnern und Mietern. Bereits im Vorfeld gab es Proteste, hauptsächlich aufgrund von Befürchtungen bezüglich Lärmbelästigung und Beeinträchtigung der Sichtachsen. Die Stadtverwaltung und die Eigentümer bemühen sich, diese Bedenken zu zerstreuen und transparent über den Fortschritt des Projekts zu informieren. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 1973 war der Tour Montparnasse das höchste Gebäude Frankreichs und sollte ein Zeichen des modernen Paris setzen. Von Beginn an stieß er jedoch auf harsche Kritik als architektonisches Fehlurteil und prägte das Stadtbild über Jahrzehnte negativ. Die aktuelle Modernisierung ist ein Versuch, diese Vergangenheit zu überwinden und dem Turm eine neue Identität zu verleihen. Es wird erwartet, dass der neu gestaltete Turm nicht nur funktionaler und ästhetisch ansprechender wird, sondern auch eine neue Attraktion für Paris darstellt, die zur Aufwertung des gesamten Viertels beiträgt. Ein wegweisendes Projekt für eine grünere und lebenswertere Metropole.