Optimale Bewegung: Wie viel und welche Intensität wirklich zählt
Dass körperliche Aktivität positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, ist allgemein bekannt. Doch wie gestaltet man sein Training am effektivsten? Ist ein einstündiger lockerer Dauerlauf wirkungsvoller als ein zweistündiger Spaziergang? Und kann man lange Phasen des Sitzens im Büro durch ein intensives Abendtraining ausgleichen? Eine umfassende Analyse hat nun aufschlussreiche Daten darüber geliefert, welche Form der Bewegung tatsächlich den höchsten Gesundheitswert bietet.
Ein Forscherteam der Universität Cambridge hat für eine aktuelle Meta-Analyse 196 bereits existierende Studien herangezogen. Diese umfassten insgesamt 30.000 Probanden aus neun verschiedenen Staaten. Ein besonderer Vorteil dieser Untersuchung war die Nutzung objektiver Messmethoden: Die Teilnehmer trugen nämlich Beschleunigungsmesser, also spezielle Bewegungssensoren, die eine exakte Aufzeichnung ihrer körperlichen Aktivität über einen längeren Zeitraum erlaubten. Dies führte zu einer wesentlich präziseren Bewertung der Bewegungsintensität, anders als bei älteren Studien, die sich häufig auf subjektive Angaben stützten.
Die Erkenntnisse sind unmissverständlich: Bereits das Ersetzen von 30 Minuten täglicher Sitzzeit durch körperliche Aktivität senkt das Risiko, frühzeitig zu versterben. Wird diese halbe Stunde durch leichte Bewegungen, beispielsweise Gehen, ersetzt, verringert sich das Sterblichkeitsrisiko um 17 Prozent. Erfolgt der Austausch durch moderate bis intensive Aktivitäten, sinkt das Risiko sogar um 33 Prozent. Bemerkenswert ist auch der Effekt, wenn man leichte Bewegungsphasen durch moderate bis intensive ersetzt: In diesem Fall reduziert sich die Gefahr eines vorzeitigen Todes um beeindruckende 39 Prozent.
Der maximale gesundheitliche Nutzen zeigt sich bei einer täglichen Dauer von 30 bis 40 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Betätigung. Wichtig ist dabei, eine Intensität zu erreichen, bei der man leicht aus der Puste kommt. Die genaue Art der Aktivität – sei es Joggen, Radfahren, Schwimmen oder zügiges Gehen – ist dabei von untergeordneter Bedeutung.
Personen, die täglich zehn bis zwölf Stunden sitzend verbringen, müssen jedoch intensiver aktiv werden, um die nachteiligen Folgen ihres Lebensstils zu kompensieren. Die Untersuchung demonstrierte, dass bei täglicher Sitzzeit von zehn Stunden das Sterblichkeitsrisiko um acht Prozent höher liegt als bei Menschen, die lediglich neun Stunden am Tag sitzen. Bei einer Ausweitung auf zwölf Stunden täglichen Sitzens erhöht sich dieses Risiko sogar um 16 Prozent.
Ungeachtet dessen unterstreichen die Studienautoren: Jede Form der Bewegung übertrifft das gänzliche Fehlen von Aktivität. Professor Ulf Ekelund, der die Studie leitete und als Experte für körperliche Aktivität an der Norwegischen Schule für Sportwissenschaften in Oslo tätig ist, erklärt: 'Die positive Nachricht ist, dass es unkompliziert ist, aktiv zu werden.' Es sind keine ausgedehnten Trainingseinheiten erforderlich; vielmehr lässt sich Bewegung mühelos in den täglichen Ablauf einbinden. Beispiele hierfür sind die Nutzung von Treppen anstelle des Aufzugs, der Arbeitsweg mit dem Fahrrad oder ein Spaziergang in der Mittagspause. Von zentraler Bedeutung ist zudem, längere Sitzperioden zu unterbrechen, beispielsweise alle 30 Minuten aufzustehen und sich kurz zu bewegen. Ein insgesamt 'aktiver Lebensstil' wird als entscheidend für die Gesundheit hervorgehoben.