Neues Forschungsprojekt zur Kreuzberger Sittichpopulation startet in Berlin
Sie beeindrucken durch ihr farbenprächtiges Gefieder und ihre geschickten Flugmanöver, doch sind sie keine gebürtigen Berliner: die Halsband- und Alexandersittiche. Insbesondere in Kreuzberg haben sich diese ursprünglich aus Süd- und Zentralasien stammenden exotischen Vogelarten niedergelassen. Nun wird ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsvorhaben gestartet, dessen Ziel es ist, die Population dieser Vögel zu erfassen und zusätzliche Erkenntnisse über sie zu gewinnen.
Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat dieses Projekt ins Leben gerufen. Durch die Erhebungen soll nachvollzogen werden, wie sich die Sittiche in der Hauptstadt ausbreiten, wo sie ihre Nistplätze finden und welche ökologischen Konsequenzen ihre Anwesenheit mit sich bringt. Hierbei sollen sowohl vorteilhafte als auch nachteilige Aspekte beleuchtet werden.
Obwohl Sitticharten in Deutschland nicht zu den einheimischen Fauna zählen, konnten sich einige Kolonien seit den 1980er-Jahren dauerhaft ansiedeln. Außer in Berlin sind sie beispielsweise in Städten wie Wiesbaden, Heidelberg, Köln und Mainz anzutreffen. Der Ursprung der meisten dieser Populationen liegt bei entflogenen Ziervögeln, die in der Wildnis erfolgreich eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden konnten.
Fachleute für Ökologie verfolgen die Entwicklung der Sittichbestände jedoch mit Besorgnis. Es besteht die Befürchtung, dass die fremden Vogelarten einheimische Spezies wie Stare und Spechte im Kampf um Nahrungsquellen und insbesondere um geeignete Nisthöhlen verdrängen könnten. Des Weiteren sind potenzielle Schäden an Obstbaumbeständen nicht auszuschließen.
Die Ansichten über die Präsenz der Sittiche divergieren. Während manche Naturbeobachter die farbenfrohen Vögel als eine Bereicherung der lokalen Fauna betrachten und ihre Anwesenheit schätzen, empfinden andere sie als störende Unruhestifter, die durch Lärmbelästigung und Verunreinigung von Gärten oder öffentlichen Grünanlagen auffallen.
Das neu gestartete Vorhaben in Kreuzberg zielt darauf ab, eine verlässliche Datenbasis zu schaffen, um die Auswirkungen der Sittiche präziser bewerten zu können. Die Resultate werden innerhalb von zwei Jahren erwartet und sollen als Grundlage für künftige Entscheidungen der Senatsverwaltung dienen.
Neben der Senatsverwaltung beteiligen sich auch der NABU Berlin, der LBV Brandenburg sowie die AG Greifvögel und Eulen Berlin an diesem Forschungsprojekt. Ein zentraler Aspekt ist dabei die sogenannte „Bürgerwissenschaft“. Die Bürgerinnen und Bürger werden aktiv dazu aufgerufen, Beobachtungen von Sittichen zu melden und auf diese Weise unmittelbar an der Datenerfassung mitzuwirken.
Meldungen können unter anderem über das Online-Portal des NABU Berlin abgegeben werden. Dies soll dazu beitragen, ein umfassendes Verständnis über die Verbreitung und das Verhalten der Sittiche im Berliner Stadtgebiet zu erlangen.