Neue Insolvenzwelle rollt durch die deutsche Gastronomie
Der Gastronomiesektor in Deutschland steht abermals vor einer beträchtlichen Anzahl von Insolvenzen. Laut einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zeichnet sich eine deutliche Zunahme an Unternehmenspleiten in der Branche ab. Die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, dass die Talsohle der Geschäftsschließungen noch nicht erreicht ist.
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Insolvenzverfahren in der Gastronomie in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 20 Prozent. Zwischen Januar und Ende Mai wurden 641 entsprechende Verfahren eingeleitet, während es im selben Zeitraum des Vorjahres 534 waren. Für den Juni dieses Jahres erwartet Creditreform-Analyst Patrik-Ludwig Hantzsch ebenfalls einen weiteren Anstieg, was die Gesamtjahresprognose nach oben korrigieren lässt.
Die Hauptursache für diese Entwicklung liegt laut Creditreform in einer Kombination aus schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der erhöhten Mehrwertsteuer. Nach einer vorübergehenden Senkung auf sieben Prozent im Zuge der Corona-Pandemie, die zum Jahreswechsel 2023/2024 endete, wurde der Mehrwertsteuersatz wieder auf die regulären 19 Prozent angehoben. Diese Umstellung hat die Preise für Konsumenten erhöht und gleichzeitig die Margen der Gastronomen reduziert.
Neben der Mehrwertsteuerbelastung spielen auch die gestiegenen Betriebs- und Personalkosten eine wesentliche Rolle. Viele Betriebe konnten diese Mehrkosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben, ohne einen signifikanten Umsatzrückgang zu riskieren. Eine frühere Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hatte bereits im Frühjahr ergeben, dass eine Mehrheit der Gastronomen die Preisaufschläge auf ein Minimum beschränken musste, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Branche blickt mit Sorge auf die kommenden Monate. Es wird erwartet, dass die Zahl der Insolvenzen weiterhin hoch bleibt, da viele Betriebe weiterhin unter Kostendruck und verhaltener Konsumbereitschaft leiden. Eine Erholung scheint vorerst nicht in Sicht, was die Zukunft vieler kleiner und mittlerer Gastronomiebetriebe gefährdet.