Die jüngsten Kennzahlen zum Schweizer Exportgeschäft könnten die Position der Eidgenossenschaft in den aktuellen Zollauseinandersetzungen mit den Vereinigten Staaten erheblich verbessern. Gemäss den frisch veröffentlichten Daten hat sich der bilaterale Handelsbilanzüberschuss der Schweiz gegenüber den USA im ersten Quartal dieses Jahres merklich verringert. Dies entkräftet ein wesentliches Argument der amerikanischen Regierung, die wiederholt Staaten mit hohen Ausfuhrüberschüssen kritisiert und sie als potenzielle Verursacher unfairer Handelspraktiken betrachtet hat. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Handelsbilanzüberschuss der Schweiz mit den USA im ersten Quartal um einen zweistelligen Prozentsatz zurückgegangen. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf eine gestiegene Nachfrage nach amerikanischen Erzeugnissen in der Schweiz sowie auf eine leichte Abnahme der Schweizer Ausfuhren in die USA, insbesondere in bestimmten Branchen, zurückzuführen. Für die Schweiz stellt dies eine positive Entwicklung dar, da Washington im Rahmen seiner "America First"-Politik Handelsdefizite als Indikatoren für ungleiche Bedingungen interpretiert und diese als Begründung für die Androhung von Zöllen nutzt. Martin Hirzel, der Präsident der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer (AmCham), zeigte sich zwar optimistisch, dämpfte jedoch die Erwartungen an einen raschen Abschluss der Verhandlungen. „Die neuen Zahlen sind zweifellos vorteilhaft für die Schweizer Verhandlungsposition. Sie belegen, dass unser Handelsaustausch keine Einbahnstrasse ist“, erklärte Hirzel. Er prognostiziert indes, dass eine endgültige Vereinbarung in der Zollfrage, etwa bezüglich der Stahl- und Aluminiumzölle nach Sektion 232 oder potenzieller weiterer Tarife, nicht vor Ende Juli erreicht werden dürfte. Als Gründe hierfür nannte er die Komplexität der Thematik und den dicht gedrängten Zeitplan der US-Administration. Die amerikanische Regierung unter Präsident Trump hatte in der Vergangenheit angekündigt, zusätzliche Zölle auf Produkte aus Ländern mit substanziellen Handelsüberschüssen zu erheben, sofern diese ihre Handelspraktiken nicht anpassten. Während die Schweiz von solchen Massnahmen bisher grösstenteils unbetroffen blieb, schwebt die Gefahr, insbesondere im Hinblick auf die bereits verhängten Stahl- und Aluminiumzölle, über dem transatlantischen Handel. Eine Reduzierung des Überschusses könnte somit präventiv wirken und die Chancen auf eine baldige Einigung steigern. Die Gespräche zwischen Bern und Washington werden auf verschiedenen Ebenen fortgesetzt, um eine nachhaltige Lösung im Interesse beider Wirtschaftsnationen zu erzielen.