Berlin erweitert seine Erinnerungslandschaft um 20 neue "Erinnerungsorte", die das vielfältige jüdische Leben in der Stadt vor der Schoah würdigen. Das Projekt "Jüdisches Leben in Berlin. Orte und Geschichten", initiiert von Kulturprojekte Berlin und gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, zielt darauf ab, die reiche jüdische Geschichte jenseits der Verbrechen des Nationalsozialismus sichtbar zu machen. Die ersten 20 Gedenkstätten, die im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf eingerichtet werden, sind mit runden, gelben Plaketten versehen. Diese dienen als sichtbare Zeichen an Orten, die für jüdisches Leben in Berlin von großer Bedeutung waren. Zu den ausgewählten Stätten zählen die ehemalige Synagoge Fasanenstraße, die heute als Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde dient, die frühere Jüdische Mädchenschule, die heute das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn beherbergt, und das ehemalige Jüdische Krankenhaus, das nun Teil der Charité ist. Ebenfalls markiert werden der Standort des ersten jüdischen Kindergartens Berlins, das Café Leon, ein früherer Treffpunkt für Intellektuelle, sowie die Rudolph-Hertzog-Schule, an der jüdische Kinder bis 1941 unterrichtet werden konnten. Auch die früheren Wohnorte bekannter jüdischer Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Anna Seghers und Mascha Kaléko erhalten eine solche Markierung. Joe Chialo, der Senator für Kultur, hob bei der Vorstellung der Initiative die Notwendigkeit hervor, das breite Spektrum jüdischen Lebens – von Wissenschaft und Bildung über Kunst und Kultur bis hin zu Gastronomie – wieder in das Bewusstsein der Berlinerinnen und Berliner zu rücken. Er betonte, dass diese Orte nicht nur an die Zerstörung erinnern, sondern insbesondere an das "Davor" und "Während" der Verfolgung. Gideon Joffe, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, unterstrich, dass diese sichtbaren Erinnerungszeichen einen wertvollen Beitrag leisten, um der zunehmenden Judenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Moritz von Uslar, Vorstandsmitglied von Kulturprojekte Berlin, betonte die Intention, die Geschichte des jüdischen Lebens als integralen Bestandteil der Stadtgeschichte zu verankern und sie auf eine neue, zugängliche Weise erlebbar zu machen. Jede der gelben Plaketten ist mit einem QR-Code ausgestattet. Dieser führt zu einer speziellen Webseite, die umfassende Informationen in deutscher und englischer Sprache bereithält, darunter historische Fotografien, Biografien und weiterführende Texte zu den jeweiligen Orten. Das Projekt arbeitet eng mit dem Jüdischen Museum Berlin, dem Centrum Judaicum, der Topographie des Terrors und verschiedenen lokalen Initiativen zusammen. Nach der erfolgreichen Einführung in Charlottenburg-Wilmersdorf ist geplant, das Konzept auf weitere Berliner Bezirke auszuweiten und somit noch mehr Facetten der jüdischen Historie sichtbar zu machen. Die Initiative soll dazu beitragen, die Präsenz des jüdischen Lebens fest im Stadtbild zu verankern und seine vielfältige Vergangenheit greifbar zu machen.