Rabi Lamichhane, einst ein bekannter Talkshow-Moderator und Musiker, hat in Nepal einen bemerkenswerten Aufstieg erlebt und bekleidet nun die Ämter des stellvertretenden Premierministers und Innenministers. Sein kometenhafter Aufstieg als populistischer Führer ist beeindruckend, doch nun steht er vor den Hürden der politischen Realität. Der 48-jährige Lamichhane gilt als neuer Hoffnungsträger für weite Teile der Bevölkerung in der ärmlichen Himalayarepublik. Seine populistischen Botschaften gegen Korruption und Günstlingswirtschaft, gepaart mit dem Versprechen, die Nation voranzubringen, fanden großen Anklang. Die von ihm erst im Juni 2022 ins Leben gerufene Rastriya Swatantra Partei (RSP) etablierte sich bei den nationalen Parlamentswahlen im November als viertstärkste politische Kraft. Aktuell ist er Mitglied einer Sieben-Parteien-Koalition, die vom Maoistenführer Pushpa Kamal Dahal, besser bekannt als Prachanda, angeführt wird. Lamichhane, der selbst viele Jahre als Auslandsnepali in den USA verbrachte, möchte sich den tief verwurzelten Problemen des Landes entgegenstellen: Korruption, Vetternwirtschaft, ein ineffektiver Staatsapparat und eine hinderliche Bürokratie, die viele Bürger zur Emigration treibt. Eine Herkulesaufgabe. Laut dem Politikwissenschaftler Lok Raj Baral stellen Nepals politisches System und die langjährige Handhabung durch dessen Akteure die größten Herausforderungen für Lamichhane dar. Baral beschreibt die nepalesische Politik als von Interessengruppen dominiert, in der Posten nach einem Rotationsprinzip besetzt werden, um sich und ihre Familien zu bereichern. Regierungen in Nepal haben typischerweise eine kurze Lebensdauer; sie bleiben selten die volle fünfjährige Amtszeit bestehen und zerfallen oft schon nach einem Jahr oder früher. Lamichhane hat seinen Aufstieg als politischer Neuling selbst erkämpft. Seine Bekanntheit erlangte er 2013, als er für einen nepalesischen Sender einen Weltrekord im Moderieren einer Talkshow aufstellte, indem er 62 Stunden lang ununterbrochen auf Sendung war. Anschließend moderierte er eine Sendung, die sich der Suche nach vermissten Personen widmete und es Menschen ermöglichte, über die Sendung Kontakt zueinander aufzunehmen. Dies festigte seinen Status als prominente Persönlichkeit in der nepalesischen Medienwelt. Kritische Stimmen bezeichnen ihn als Populisten, der zwar Massen mobilisieren kann, dem es aber an echter Regierungsfähigkeit mangelt. Baral merkt an: „Er macht zahlreiche Versprechungen, doch seine Partei verfügt weder über ein klares Programm noch über eine eindeutige Ideologie.“ Des Weiteren ist er wiederholt mit Anschuldigungen konfrontiert worden. Ihm wurde vorgeworfen, die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes besessen zu haben, ohne seine nepalesische aufzugeben. Die Aufgabe einer fremden Staatsbürgerschaft ist jedoch eine notwendige Bedingung für die politische Betätigung in Nepal. Auch in Verbindung mit dem vermuteten Suizid eines Journalisten wurde sein Name genannt, wobei er jedoch von einem Gericht freigesprochen wurde. Trotz aller Kritik bleiben die Erwartungen und Hoffnungen, die insbesondere die junge Generation und viele andere auf ihn setzen, immens. Es bleibt abzuwarten, ob er die verkrusteten Strukturen durchbrechen und seine Wahlversprechen einlösen kann.