Nach massiven Tumulten von Dynamo-Dresden-Fans während des DFB-Pokalspiels gegen den Hamburger SV hat Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) ein energisches Vorgehen gegen gewalttätige Anhänger angekündigt. Am Montag erklärte der Minister in Dresden: „Ich bin der Ansicht, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem Nachsicht nicht mehr angebracht ist.“ Er appellierte an alle relevanten Akteure, von der Deutschen Fußball Liga (DFL) bis zu den einzelnen Vereinen, eine „Null-Toleranz-Strategie“ gegenüber Randalierern zu verfolgen. Die Polizei hatte die Vorfälle zuvor als „besonders schwerwiegend“ eingestuft. „Dies war ein Gewaltausbruch, dessen einziges Ziel die Aufmerksamkeit war“, so Schuster. Die Verursacher hätten sich dabei „durch Gewalt und Vandalismus auf Kosten unbeteiligter Fußballzuschauer, des Sicherheitspersonals und auch der Polizeibeamten inszeniert“. Die Geschehnisse in Dresden und im Umfeld der Begegnung stellten „nicht einen kurzen Moment dar, sondern ein umfassendes Werk von Provokation und Gewalt“. Im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden kam es am Samstag zu erheblichen Krawallen. Im Gästebereich zündeten vermummte Randalierer Pyrotechnik an, die sie auch in angrenzende Sektoren und auf das Spielfeld schleuderten. Darüber hinaus demolierten sie Sitze und zerstörten sanitäre Anlagen. Im Umfeld des Stadions wurden Polizeikräfte und Sicherheitspersonal attackiert. Nach Angaben der Polizei erlitten bei den Auseinandersetzungen insgesamt elf Polizisten, vier Ordner des HSV, ein Feuerwehrmann und ein Bundespolizist Verletzungen. Auch zahlreiche Anhänger von Dynamo Dresden wurden laut Polizeibericht verletzt. Schuster erklärte, er werde noch vor dem Start der Bundesliga-Saison am 18. August zu einem Treffen einladen, an dem Vertreter der DFL, der sächsischen Vereine und der Polizeibehörden teilnehmen sollen. „Wir beabsichtigen, mit der DFL zu erörtern, welche Strategien wir einsetzen können, um klarzustellen, dass Pyrotechnik grundsätzlich keinen Platz in Stadien hat“, erläuterte Schuster. „Es ist unerlässlich, darüber zu sprechen, welche Maßnahmen die Vereine ergreifen können, um ihre eigenen Anhänger zu besänftigen“, betonte Schuster. Er sei überzeugt, dass der Geschäftsführer von Dynamo Dresden, Michael Born, die Ausschreitungen ebenso scharf verurteile wie er selbst. Born hatte sich am Montagvormittag in einer Vereinsmitteilung für die Vorkommnisse entschuldigt und entschlossene Konsequenzen für die Verantwortlichen in Aussicht gestellt. „Diese Handlungen haben unserem Verein erheblichen Schaden zugefügt und sind in keiner Weise hinnehmbar“, so Borns Erklärung. Der Innenminister von Sachsen plädierte für einen „Dreiklang von Sanktionen“. Neben „eindeutigen strafrechtlichen Konsequenzen“ für die Täter forderte er von den Klubs „sehr dezidierte Maßnahmen, um diese Täter aus der Anonymität zu holen und die Fans einzubeziehen, die sich nicht an derartigen Ausschreitungen beteiligen“. Es müsse zudem eine „klare Vorgabe der DFL“ geben, „was geschieht, wenn Vereine ihre eigenen Anhänger nicht unter Kontrolle bringen können“. Bezüglich der möglichen Sanktionen durch die DFL äußerte sich Schuster verhalten. „Das obliegt der DFL, dies im Zusammenspiel mit dem DFB eigenständig zu entscheiden“, erklärte der Minister. Er habe jedoch seine „Erwartungen an die DFL erneut deutlich gemacht“. Bereits am Sonntag hatte sich die DFL über die Vorfälle in Dresden „zutiefst betroffen und schockiert“ geäußert. „Ein derartiges Verhalten ist in keiner Weise zu rechtfertigen und gehört nicht in den Fußball“, bekräftigte DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen. Sie betonte, man befinde sich in engem Austausch mit Dynamo Dresden und werde die Geschehnisse zusammen mit den Sicherheitsbehörden gründlich aufarbeiten. Prinzipiell sieht die DFL Schwierigkeiten bei kollektiven Bestrafungen, wie etwa Geisterspielen oder Punktabzügen, da diese die Vereine betreffen würden. „Oft sind die Übeltäter einer Minderheit zuzurechnen, und die Mehrheit der friedlichen Fans, die das Stadion besuchen, wäre davon betroffen“, hatte Hopfen früher erklärt. Gleichzeitig unterstrich sie: „Die DFL wird die Vereine jedoch auch an ihre Verpflichtung erinnern, einen sicheren Spielbetrieb zu gewährleisten.“ Der DFB-Kontrollausschuss hat bereits eine Untersuchung gestartet. Sobald diese Ermittlungen abgeschlossen sind, wird er dem DFB-Sportgericht einen Urteilsvorschlag vorlegen. Laut DFB-Angaben können Vereine bei mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen mit Geldstrafen belegt werden, bei Zuschauerausschreitungen, die den Spielverlauf beeinflussen, mit Platzsperren und in extremen Fällen sogar mit Punktabzügen oder Zwangsabstiegen sanktioniert werden. Für Dynamo Dresden sind solche Ereignisse keine Unbekannten. Seit Jahren zieht der Verein durch seine teilweise gewalttätigen Anhänger negative Aufmerksamkeit auf sich. Wiederholt wurde der Klub zu Geldstrafen und Spielen ohne Zuschauer verurteilt. Die Fans zählen zu denjenigen, die die höchsten Kosten in der Liga verursachen. Ein Beispiel hierfür ist ein Spiel gegen Kaiserslautern im Jahr 2017, das Polizeieinsätze von rund 1,3 Millionen Euro nach sich zog, wobei etwa 3000 Polizeibeamte im Einsatz waren.