Eine aktuelle Auswertung verdeutlicht, dass ein beachtlicher Teil der deutschen Arbeitnehmerschaft weiterhin unter einer Stundengrenze von 15 Euro brutto entlohnt wird. Konkret handelt es sich um 7,7 Millionen Beschäftigte, was rund 22,3 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland ausmacht. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Zahlen unterstreichen die anhaltende Präsenz des Niedriglohnsektors, auch wenn die Einführung und sukzessive Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns, zuletzt auf 12 Euro, in den vergangenen Jahren zu einer leichten Entspannung geführt haben. So sank die Zahl der Beschäftigten, die weniger als 12 Euro verdienten, zwischen 2021 und 2022 deutlich. Die Marke von 15 Euro pro Stunde ist indes ein zentraler Punkt in der aktuellen politischen und gewerkschaftlichen Debatte. Gewerkschaften und Parteien wie Die Linke fordern eine Anhebung des Mindestlohns auf dieses Niveau, um eine angemessene Existenzsicherung zu gewährleisten und die Kaufkraft zu stärken. Für viele Menschen reichen selbst Vollzeitbeschäftigungen zu Löhnen unterhalb dieser Schwelle kaum aus, um einen würdigen Lebensstandard zu finanzieren, insbesondere in Regionen mit hohen Lebenshaltungskosten. Die fortbestehende Herausforderung des Niedriglohnsektors bleibt somit ein vordringliches Thema für Sozial- und Wirtschaftspolitik in Deutschland.