Der Schweizer Detailhandelsriese Migros veräussert die deutsche Supermarktkette Tegut. Der neue Eigentümer wird die Handelsgesellschaft Hessenring sein, eine Tochtergesellschaft der Edeka-Gruppe. Dieser Verkauf markiert das Ende eines elfjährigen Engagements von Migros in Deutschland, das 2012 mit der Übernahme von Tegut begann. Die Transaktion, über die seit Mitte April intensiv spekuliert wurde, umfasst alle 278 Tegut-Filialen und die rund 7000 Mitarbeiter. Der Verkaufspreis wurde nicht bekannt gegeben. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen, wobei keine grösseren Hürden erwartet werden, da Edeka in der Region von Tegut bisher nur eine geringe Präsenz aufweist. Die Geschichte von Tegut begann 1947 in Fulda, als Theo Gutberlet das Unternehmen als Lebensmittelgrosshandel gründete. Schon früh setzte Gutberlet auf Qualität und regionale Produkte – ein Konzept, das damals noch ungewöhnlich war. Eine der bemerkenswertesten Innovationen war die Einführung des Selbstbedienungsprinzips, das 1953 in Schlüchtern (Hessen) Premiere feierte. Tegut war auch einer der Vorreiter im Bio-Segment und eröffnete 1982 den ersten Bio-Supermarkt Deutschlands. Im Laufe der Jahre expandierte Tegut von kleinen 'Lädchen' zu grösseren Supermärkten. Das Sortiment umfasste zunehmend Bio- und regionale Produkte, die direkt von Bauern aus der Umgebung bezogen wurden. Trotz der erfolgreichen Positionierung als Qualitätsanbieter geriet Tegut Ende der 2000er Jahre unter Druck. Hohe Betriebskosten und der starke Wettbewerb durch Discounter und andere Grosshändler machten dem Unternehmen zu schaffen. Das Familienunternehmen suchte nach einem strategischen Partner. 2012 erfolgte die Übernahme durch Migros. Der Schweizer Konzern plante, das Bio- und Regionalitätskonzept von Tegut weiter auszubauen und das Unternehmen zu modernisieren. Migros investierte erheblich in Tegut, baute die Filialen um und führte neue Formate ein, darunter kleinere 'Tegut Lädchen' in urbanen Gebieten und einen Online-Lieferdienst. Die Expansionspläne in Süddeutschland wurden vorangetrieben, doch der erhoffte Erfolg und die Rentabilität blieben für Migros aus. Gemäss Medienberichten hat Migros in den letzten Jahren erhebliche Verluste mit Tegut gemacht. Der Verkauf von Tegut reiht sich in eine Serie von Desinvestitionen ein, mit denen Migros sich auf ihr Kerngeschäft in der Schweiz konzentrieren will. In den letzten Monaten wurden bereits der Reisespezialist Hotelplan, der Fahrradhändler m-way, der Heimtextilhändler Depot und das Lernkonzept Globis verkauft. Für Tegut könnte die Integration in die Edeka-Gruppe neue Möglichkeiten eröffnen, da Edeka als einer der grössten Lebensmittelhändler Deutschlands über immense Skaleneffekte und ein starkes Vertriebsnetz verfügt. Es wird erwartet, dass Tegut seine regionale Ausrichtung und sein Bio-Angebot unter dem neuen Dach beibehalten kann.