Manfred Weber, bekannt für seine überlegte politische Herangehensweise, muss als Vorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP), der größten Fraktion im Europaparlament, seine Äußerungen stets mit Bedacht wählen. Gerade deshalb ist seine explizite und eindeutige Positionierung gegenüber der AfD bemerkenswert. Für Weber stellt die Partei auf sämtlichen Ebenen und in jeder Form ein „No-Go“ dar. Er betonte in einem Interview unmissverständlich, dass es mit der AfD „keine Zusammenarbeit, keine Koalition und keine Absprachen“ geben dürfe. Weber hat eine unzweideutige „rote Linie“ definiert, deren Nachahmung der deutschen Union, und speziell der Berliner CDU, dringend anzuraten wäre. Besonders aus Berlin sendete die Union zuletzt verwirrende Botschaften. Zunächst sorgte der CDU-Bundestagsabgeordnete Mario Czaja mit einer Äußerung bezüglich der potenziellen Wahl eines AfD-Landrats in Thüringen für Aufsehen. Kurz darauf trug eine Stellungnahme des Berliner CDU-Fraktionschefs Dirk Stettner dazu bei, Spekulationen darüber anzuheizen, wie ernst es die Berliner CDU mit ihrer Abgrenzung von der AfD tatsächlich meint. Die unklare Haltung Berlins in der Diskussion um die „Brandmauer“ ist historisch begründet. In der Nachkriegszeit stand die Hauptstadt symbolisch für den Freiheitskampf gegen den Kommunismus. West-Berlin zählte lange zu den Regionen, in denen die Kommunisten im Vergleich zum Bundesgebiet noch relativ viele Stimmen erhielten. Der Kampf der CDU gegen die SED war unerbittlich, und das Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie in jeder Ausprägung galt als unerschütterlich. Bedauerlicherweise ist von dieser Entschiedenheit in Berlin nicht mehr viel zu spüren. Gerade diese Entschlossenheit ist angesichts der von der AfD ausgehenden Gefahr von rechts von größter Dringlichkeit. Weber begründet seine Haltung nicht allein moralisch, sondern auch aus einer strategischen Sichtweise. Seine langjährige Erfahrung in der Europapolitik hat ihn zu dem Schluss kommen lassen, dass eine Zusammenarbeit mit Rechtspopulisten die eigene konservative Partei langfristig schwächt und die politischen Extreme stärkt. Das Resultat ist letztendlich ein Verlust für das demokratische Zentrum. Die EVP hatte über einen längeren Zeitraum versucht, rechte Parteien wie Ungarns Fidesz oder Polens PiS in ihrer Fraktion zu integrieren, um ihnen eine „Heimat“ zu bieten, wie es seinerzeit formuliert wurde. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Parteien, die fundamentale Säulen wie die Gewaltenteilung, die Justiz, die Wissenschaft oder die Pressefreiheit angreifen, können keine beständigen Partner innerhalb einer demokratischen Fraktion sein. Schlussendlich sah sich die EVP gezwungen, Fidesz und PiS auszuschließen. Dieser langwierige Prozess verursachte nachhaltigen Schaden für die EVP, da er die Glaubwürdigkeit der europäischen Christdemokraten bei den Wählern beeinträchtigte. Diese unmittelbar von Weber gesammelten Erfahrungen müssen von der Berliner CDU ernsthaft berücksichtigt werden. Es steht die Glaubwürdigkeit der Partei auf dem Spiel. Die CDU verliert an Stärke, wenn sie keine klare Linie verfolgt. Gerade die Konservativen sollten auf eine robuste Brandmauer gegenüber dem rechten Spektrum bestehen. Denn die AfD ist nicht konservativ, sondern antidemokratisch, rechtsextrem und rassistisch. Jede Form der Zusammenarbeit mit solchen Kräften würde die demokratische Struktur Deutschlands untergraben. Dies darf die CDU keinesfalls zulassen. Wer diese Erkenntnis missachtet, schadet sowohl der Demokratie als auch der eigenen Partei.