Luisa Neubauer über Geschlechter und Klimakrise: 'Glück für Männer, dass wir keine Vergeltung wollen'
Die bekannte Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat bei der Preisverleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für bemerkenswertes Aufsehen gesorgt. Die führende Persönlichkeit der deutschen "Fridays for Future"-Bewegung erklärte dort: "Männer haben Glück, dass wir keine Vergeltung wollen." Der folgende Text beleuchtet die Hintergründe dieser Äußerung und die darauf folgenden Reaktionen.
Neubauer erhielt in Düsseldorf eine Ehrung in der Kategorie "Engagement". Ihre Dankesrede nutzte sie, um die Klimakrise als eine tiefgreifende Krise des Patriarchats zu kennzeichnen. Dabei rief sie die "alten weißen Männer", welche vom bestehenden System Vorteile ziehen, dazu auf, ihre Positionen der Macht zu räumen. Sie hob hervor, dass gerade Frauen und benachteiligte Gemeinschaften unverhältnismäßig stark unter den Folgen des Klimawandels leiden. Gleichzeitig betonte sie, dass die Klimabewegung, oft unter weiblicher Führung, diese patriarchalischen Strukturen gezielt in Frage stellt.
Die provokante Bemerkung bezüglich einer möglichen Vergeltung war in diesen Argumentationszusammenhang eingebettet. Neubauer wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die im Klimaschutz aktiven Frauen nicht auf Rache sinnen, sondern vielmehr einen tiefgreifenden systemischen Wandel anstreben. Es sei vielmehr als ein warnendes Signal an all jene zu verstehen, die sich weiterhin an veralteten Systemen klammern.
Diese Aussage löste umgehend scharfe Kritik aus. Insbesondere der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach bezeichnete sie als "völlig inakzeptabel" und "spaltend". Er interpretierte die Bemerkung als Versuch, eine Kluft zwischen Männern und Frauen zu schaffen, und hinterfragte die Relevanz solcher Kommentare für den Klimaschutz.
Luisa Neubauer nahm Stellung zu der geäußerten Kritik und erläuterte auf sozialen Medien, dass ihre Bemerkung als eine "Metapher" für die notwendige Neuanordnung von Machtverhältnissen zu verstehen sei. Sie bekräftigte, dass die Klimakrise untrennbar mit umfassenden gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und bestehenden patriarchalen Strukturen verknüpft ist. Eine Hinwendung zu einer wirklich nachhaltigen Zukunft mache die Aufhebung dieser Machtungleichgewichte unumgänglich, was häufig den Verlust von Einfluss für "alte, mächtige Persönlichkeiten" bedeute. Ihr eigentliches Anliegen sei die Transformation der Gesellschaft, nicht Rache.
Die durch Neubauers Statement ausgelöste Diskussion verdeutlicht erneut, wie eng der Klimaschutz und soziale Gerechtigkeitsfragen in der öffentlichen Diskussion miteinander verbunden sind. Es unterstreicht zudem das Bestreben der Aktivisten, fundamentale gesellschaftliche Umbrüche anzustoßen.