Die jüngsten Landtagswahlergebnisse aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stellen einen empfindlichen Rückschlag für die Partei ALFA dar, welche vom ehemaligen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke geführt wird. Der angestrebte politische Neustart der Lucke-Partei ist vorläufig misslungen. In beiden Bundesländern verpasste ALFA den Sprung in die jeweiligen Landesparlamente deutlich. In Rheinland-Pfalz erreichte die Partei lediglich 1,0 Prozent der Wählerstimmen, in Baden-Württemberg sogar nur 0,7 Prozent. Somit scheiterte Lucke auch im zweiten Anlauf daran, nach seinem Abschied von der AfD wieder eine relevante politische Rolle einzunehmen. Exakt ein Jahr zuvor, im Juli 2015, hatte sich Lucke unter aufsehenerregenden Umständen von der Alternative für Deutschland getrennt. Sein Bestreben war es, die AfD vor einer nationalistischen Tendenz zu bewahren, doch er konnte sich gegen den Aufstand des rechten Parteiflügels nicht durchsetzen und musste den Parteivorsitz an Frauke Petry abtreten. Mit ALFA verfolgte Lucke das Ziel, eine liberal-konservative Gegenposition zur AfD aufzubauen. Dies sollte ein Angebot für all jene enttäuschten Unions-Wähler sein, die sich von den traditionellen Parteien nicht länger repräsentiert fühlten, aber den rechtsnationalen Populismus der AfD ablehnten. Doch dieses erwartete Wählerpotenzial erweist sich offenbar als geringer, als Lucke es sich vorgestellt hatte. Die in anderen Bundesländern beobachtete massive Verlagerung von CDU/CSU-Wählern zur AfD, etwa bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, blieb in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aus. Im Südwesten konnten die Grünen deutliche Zugewinne verzeichnen, während in Rheinland-Pfalz die SPD unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer stark abschnitt. Dies impliziert jedoch keineswegs, dass die etablierten Parteien frei von Schwierigkeiten wären. Auch CDU und SPD mussten bei diesen Abstimmungen Stimmenverluste hinnehmen, wenn auch nicht in dem Ausmaß, das in Sachsen-Anhalt zu beobachten war. Viele Wähler, die zuvor aus Protest die AfD gewählt hatten, kehrten bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu den traditionellen Parteien zurück. Für Bernd Lucke ergibt sich aus diesem Wahlergebnis nun die anspruchsvolle Aufgabe, seine Partei ALFA innerhalb der politischen Arena zu etablieren. Der anfängliche Versuch eines Neuanfangs ist vorläufig gescheitert. Ob ihm ein weiterer erfolgreicher Versuch gelingen wird, bleibt abzuwarten.