Der estnisch-lettische Animationsstreifen Lotte im Dorf der Erfinder, international bekannt als Lotte from Gadgetville, entstand 2006 unter der Regie von Heiki Ernits und Janno Põldma und feierte seine Deutschlandpremiere am 27. April 2007 auf der Kinoleinwand. Innerhalb der Siedlung der Tüftler wohnen zahlreiche clevere Tierpersönlichkeiten, die unablässig an neuartigen, gelegentlich ziemlich eigenartigen Schöpfungen arbeiten. Zu den hochgeschätzten Erfindern zählt Oskar, der Vater der jungen Hunde-Protagonistin Lotte. Diesmal steht ein bedeutender Erfinderwettstreit auf dem Programm, an dem sich nahezu alle Bewohner der Gemeinde beteiligen. Lotte entwickelt gemeinsam mit ihrem Freund Bruno ebenfalls eine Vorstellung, die sie umzusetzen beabsichtigen. Dennoch rückt für die beiden der Wettbewerbsgedanke in den Hintergrund; stattdessen stehen die Freude am Experimentieren und der Wunsch, Mitmenschen beizustehen, an erster Stelle. Eines Tages erhält Lottes Familie Besuch von der jungen Katzenfrau Roosi. Kurze Zeit später erscheint der kleine japanische Bienenmann Susumu, ein Judomeister, der Judowürfe studiert und nach frischen Judogriffen forscht. Man bringt ihn in das Dorf der Erfinder, wo er sogleich von den zahlreichen originellen Kreationen fasziniert ist. Susumu freundet sich mit Lotte und Bruno an und bemüht sich, ihnen einige Judo-Techniken zu vermitteln. Lotte im Dorf der Erfinder vermittelt Werte wie Entdeckerfreude, kreatives Denken und Hilfsbereitschaft auf eine durch und durch liebevolle und sanfte Art. Der Film stimuliert die Vorstellungskraft und verdeutlicht, dass Innovationen nicht bloß dazu dienen, Auszeichnungen zu ergattern, sondern ebenso, das Dasein zu erleichtern, zu verschönern und anderen Unterstützung zukommen zu lassen. Die von Heiki Ernits und Janno Põldma geschaffenen Bilder sind handgezeichnet und wirken durch ihre warme Farbgebung sowie den Reichtum an Details auf eine überaus reizvolle Weise traditionell. Man fühlt sich an Filme aus der eigenen Kindheit erinnert und taucht leicht in nostalgische Gefilde ein. Diese estnische Produktion stellt eine fantastische Alternative zu den gegenwärtigen, von digitalen Effekten und 3D-Technik dominierten Animationsfilmen dar, die unsere Lichtspielhäuser überfluten. Lotte im Dorf der Erfinder ist bezaubernd, geistreich und humorvoll, ohne dabei plump oder banal zu erscheinen. Er richtet sich zwar an ein junges Publikum, hält jedoch auch für erwachsene Betrachter einiges bereit und empfiehlt sich insbesondere für all jene, die handgezeichnete Animationswerke schätzen. Nicht nur für Kinder ist dieser Film ein wahrhaftiges Vergnügen, das Freude bereitet und zum Reflektieren anregt.