Löw würde Goretzka bei der WM "absolut" berücksichtigen und Kimmich fest im Mittelfeld sehen
Der frühere Bundestrainer Joachim Löw hat in Interviews mit „RTL“ und „ntv“ seine Perspektive zur aktuellen Verfassung der deutschen Fußballnationalmannschaft dargelegt und Stellung zu verschiedenen Kaderentscheidungen bezogen.
Löw, der die DFB-Auswahl über einen Zeitraum von 15 Jahren coachte, sprach sich nachdrücklich dafür aus, Leon Goretzka bei der Weltmeisterschaft einzusetzen. Er hob hervor, dass Goretzka ein "außerordentlich wertvoller" Akteur für jedes Team sei, da er sowohl torgefährlich als auch körperlich präsent ist. Löw schätzt an Goretzka, dass dieser aus dem Mittelfeld heraus "häufig Tiefenläufe startet" und Tore erzielt, was im Nationaltrikot "nicht allzu oft" vorkomme. Er würdigte Goretzkas "beträchtliche Präsenz und Durchsetzungsvermögen".
Bezüglich der idealen Position von Joshua Kimmich äußerte Löw eine eindeutige Ansicht: „Ich würde ihn ausnahmslos auf der Sechser-Position einplanen.“ Er erläuterte, dass Kimmich als zentraler Mittelfeldspieler „seine Fähigkeiten optimal entfalten“ könne, da er das Spiel vor sich habe, „Pässe verteilt, Räume erkennt und taktisch kluge Entscheidungen trifft“. Obwohl Kimmich auch als Rechtsverteidiger solide Leistungen erbringe, sei er im Mittelfeld "ein herausragender Akteur".
Des Weiteren kommentierte Löw die aktuelle Form des deutschen Teams im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar. Er bemerkte, dass die Mannschaft sowohl "ein hervorragendes Turnier spielen" als auch "sehr frühzeitig ausscheiden" könne. Er verwies auf die "äußerst hohe Leistungsdichte" bei der WM und zählte neben Deutschland auch Spanien, England, Frankreich, Brasilien und Argentinien zu den potenziellen Titelanwärtern.
Die Integration von Jamal Musiala und Niclas Füllkrug in den WM-Kader beurteilte Löw wohlwollend. Er ist der Ansicht, dass Füllkrug "dem Angriff mehr Präsenz und Durchschlagskraft" verleiht, während Musiala ein "außergewöhnlicher Spieler" ist, dessen Technik und Dribbelkünste dem Team zugutekommen. Löw hob hervor, dass Musiala "von immensem Wert" sei und "Freude bereite".
Löw erkannte im aktuellen Aufgebot eine "sehr hohe individuelle Qualität" sowie eine "ausgewogene Kombination" aus Routiniers und Nachwuchstalenten. Er äußerte jedoch die Ansicht, dass dem Team "im Wesentlichen der Glaube mangelt", entscheidende Partien für sich zu entscheiden, und dass es "an mentaler Stärke fehlt". Er appellierte an die Spieler, "entschlossener" aufzutreten und "mehr Hingabe" zu zeigen.
Löw verschonte die Mannschaft nicht vor Kritik. Er stellte fest, dass das Team "eine Weiterentwicklung vollziehen muss" und es "nicht genügt", sich lediglich auf die individuelle Klasse zu berufen. Er verlangte "größeres Engagement" und "einen erhöhten Einsatz".