Linken-Politikerin Reichinnek äußert Vorbehalte gegen niedersächsischen Israel-Beschluss, bekräftigt aber dessen Kernanliegen
Heidi Reichinnek, die Ko-Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linkspartei, hat sich von einem kürzlich gefassten Beschluss des niedersächsischen Landesparteitages ihrer Partei zum Nahostkonflikt distanziert. Obwohl sie den Beschluss inhaltlich verteidigt, kritisiert sie den Zeitpunkt und die Umstände seiner Verabschiedung.
Der umstrittene Beschluss befasst sich nicht explizit mit dem Existenzrecht Israels, sondern fokussiert sich auf die israelische Besatzungspolitik und die Lage der palästinensischen Bevölkerung. Reichinnek betonte gegenüber der "Welt", dass sie die "grundsätzliche Analyse" der Entscheidung teile. Insbesondere die Kritik an der israelischen Siedlungspolitik und der Behandlung der Palästinenser sehe sie als gerechtfertigt an.
Ihre Distanzierung bezieht sich jedoch auf die Art und Weise, wie der Beschluss zustande kam. Reichinnek äußerte Bedenken bezüglich des Zeitpunkts der Verabschiedung, kurz nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober. Sie gab zu bedenken, dass die Wahl dieses Augenblicks "einfach falsch" gewesen sei. Zudem wurde der Beschluss ohne vorherige interne Debatte und entgegen dem Willen des Landesvorstands verabschiedet.
Reichinnek unterstrich klar, dass Die Linke unmissverständlich das Existenzrecht Israels anerkennt und den Terror der Hamas aufs Schärfste verurteilt. Diese offizielle Parteilinie sei unantastbar. Der Beschluss aus Niedersachsen führte jedoch zu erheblichen Irritationen innerhalb und außerhalb der Partei.
Der stellvertretende Parteivorsitzende Lorenz Gösta Beutin kritisierte die Entscheidung ebenfalls scharf und forderte eine umfassende Aufarbeitung. Er bezeichnete den Beschluss als "unwürdig und inakzeptabel", insbesondere angesichts der Position der Partei zum Existenzrecht Israels.
Auch von außen kam Kritik: Michael Fürst, Sprecher des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Hannover, zeigte sich schockiert über den Inhalt und sah darin eine potenzielle Delegitimierung Israels, die er als beängstigend empfinde.
Dieser Vorfall verdeutlicht erneut die anhaltenden Schwierigkeiten der Linkspartei, eine einheitliche und klare Linie im Umgang mit dem Nahostkonflikt zu finden. Die parteiinternen Debatten über die Israel- und Palästinapolitik sind seit Langem ein Reibungspunkt und werden durch solche Beschlüsse immer wieder neu entfacht.