Nach monatelangen Beratungen drängen die Regierungschefs der Bundesländer auf entschlossene Schritte seitens der Bundesregierung, um die stark gestiegenen Treibstoffkosten einzudämmen. Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kritisierte gegenüber der "Rheinischen Post", dass die Diskussion um effektive Entlastungen "viel zu lange andauert". Er betonte den immensen Handlungsbedarf, da "Menschen und Unternehmen umgehend schnelle und wirksame Hilfe benötigen". Wüst hob hervor, dass eine Senkung der Mineralölsteuer die "effektivste Maßnahme" sei. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach sich laut "Mitteldeutscher Zeitung" für eine Reduzierung der Steuer auf Kraftstoffe aus und forderte "spürbare Entlastung". Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wiederholte seine Forderung nach einem "Tankrabatt", der die Literpreise an den Tankstellen um 20 bis 40 Cent reduzieren soll. Gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" erklärte Söder: "Der Bund muss handeln." Er appellierte an die Bundesregierung, "umgehend eine Senkung der Spritpreise in Angriff zu nehmen", da dies "für weite Teile der Bevölkerung und des Wirtschaftslebens absolut existenziell" sei. Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, äußerte sich indes skeptisch. Eine Minderung der Mineralölsteuer sei eine "Gießkannen"-Maßnahme und daher "nicht zielgenau", so Kretschmann zur Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zudem befürchtete er, dass dies ein "großes Geschenk an die Mineralölkonzerne" wäre, die ihre Gewinnmargen dadurch "noch mal richtig vergrößern könnten". Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) mahnte hingegen, dass die Bundesregierung nicht ausschließlich die Kraftstoffpreise betrachten dürfe. Er wies in der "Saarbrücker Zeitung" darauf hin, dass die Gesamtbelastung der Bürger durch die hohen Energiepreise extrem sei. "Wir müssen schnell und unbürokratisch handeln." Hans forderte, dass die Bundesregierung bei ihrer bevorstehenden Konferenz mit den Länderchefs am Mittwoch weitere, schnell wirkende Entlastungspakete auf den Weg bringe, die unmittelbar bei den Bürgern ankämen. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte zuvor bereits einen "Tankrabatt" ins Spiel gebracht, bei dem der Staat die Kraftstoffpreise über einen gewissen Zeitraum subventionieren würde. Die Koalition debattiert seit Wochen über Erleichterungen für Autofahrer. Parallel dazu werden Überlegungen für ein vergünstigtes Neun-Euro-Ticket angestellt, um eine Alternative zum Autofahren zu bieten. Während die FDP sich diesen Vorschlägen gegenüber aufgeschlossen zeigte, äußerte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) Bedenken hinsichtlich der begrenzten Wirksamkeit für Pendler. Es wird erwartet, dass die Ministerpräsidenten auf der bevorstehenden Konferenz am Mittwoch von der Ampel-Koalition weitere Zusagen für umfassende Entlastungsmaßnahmen angesichts der hohen Sprit- und Energiepreise fordern werden.