Der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung für Kinder und Jugendliche steigt kontinuierlich an, ein Trend, der durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wurde. Während immer mehr junge Menschen professionelle Hilfe suchen, plant der Berliner Senat ausgerechnet in diesem kritischen Bereich erhebliche Kürzungen. Die Situation ist bereits prekär: Wartezeiten für Therapieplätze sind häufig lang, und es mangelt an Fachkräften, die auf die spezifischen Anforderungen von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind. Nun sollen in Berlin 30 Personalpositionen in den Kinder- und Jugendpsychiatrischen und Psychotherapeutischen Versorgungszentren (KJPP) abgebaut werden. Diese Zentren fungieren als wesentliche Anlaufstellen für ambulante Behandlungen und bieten jungen Patienten sowie ihren Familien Unterstützung an. Die beabsichtigte Streichung der Stellen betrifft hauptsächlich qualifiziertes Personal wie Psychologen, Sozialpädagogen und Ärzte. Fachgesellschaften und Berufsverbände, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und der Deutsche Psychotherapeutenverband (DPtV), warnen nachdrücklich vor den Konsequenzen. Sie äußern die Befürchtung eines „massiven Kollapses“ der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in der Bundeshauptstadt. „Es sendet ein verheerendes Signal, ausgerechnet in diesem Sektor zu kürzen, wo der Bedarf doch so evident ist und die Folgen einer unzureichenden Versorgung junge Menschen ihr gesamtes Leben lang begleiten können“, erklärte ein Sprecher der DGKJP. Die Streichungen kämen einer „Verwahrlosung der nachwachsenden Generation“ gleich. Auch die politische Ebene reagiert mit Empörung. Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus bezeichnete die Pläne als „Skandal“, während die FDP sie als „kurzsichtig und verantwortungslos“ kritisierte. Beide Parteien appellieren an den Senat, die Sparvorhaben unverzüglich rückgängig zu machen. Der Berliner Senat verteidigt die Kürzungen mit der Begründung, den Haushalt konsolidieren und die Effizienz der KJPPs verbessern zu müssen. Zudem bestehe das Ziel, die bisher neun Zentren in weniger, dafür aber leistungsfähigere Einheiten zu überführen. Kritiker betrachten dies jedoch als eine vorgeschobene Begründung und befürchten, dass die Zusammenlegung zu noch längeren Anfahrtswegen und einer erschwerten Erreichbarkeit der Angebote führen wird, insbesondere für Familien in weniger urbanen Bezirken. Die eigentliche Ursache für die Misere sehen sie in einer seit Jahren vernachlässigten Personalplanung und fehlenden Investitionen. Die Lage in Berlin spiegelt eine bundesweite Problematik wider. Überall in Deutschland fehlt es an Psychotherapeuten, besonders im Bereich der Kinder- und Jugendtherapie. Die Politik ist aufgefordert, tragfähige Lösungen zu erarbeiten, anstatt an der falschen Stelle zu sparen und so die Zukunft einer gesamten Generation zu gefährden.