Der Satz „Nie wieder ist jetzt“ ist aktuell in den Medien allgegenwärtig und wird von Politikern sämtlicher Richtungen genutzt. Er soll Einigkeit demonstrieren und eine klare Distanzierung zum „rechten“ Spektrum signalisieren. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Losung nicht nur inhaltsleer ist, sondern auch riskante Tendenzen einer Selbstbehauptung der „Demokraten“ birgt, die selbst undemokratische Methoden gegenüber vermeintlichen Gegnern rechtfertigen. Eine Gemeinsamkeit, die auf der Abgrenzung und moralischen Überlegenheit basiert, ist keine tatsächliche Einheit, sondern fördert die Spaltung. Die Parole „Nie wieder ist jetzt“ soll angeblich verhindern, dass sich historische Ereignisse wiederholen. Doch welche Geschichte ist hier gemeint? Und wer legt fest, was „rechts“ bedeutet? Die Verwendung dieses Slogans ähnelt oft einem Ritual, das seine Nutzer als moralisch überlegen darstellt, ohne konkrete politische Inhalte zu nennen. Es entsteht eine Verunglimpfungskampagne gegen all jene, die eine kritische Position gegenüber der Regierung oder dem etablierten System einnehmen. Die gegenwärtigen Proteste gegen „rechts“ sind bemerkenswert, da sie von einem breiten Querschnitt der Gesellschaft getragen werden. Doch die politische Ausschlachtung dieser Demonstrationen durch die etablierten Parteien ist offensichtlich. Während die AfD als kollektiver Gegner inszeniert wird, bleiben die wahren Gründe für ihren Zulauf unberücksichtigt: gesellschaftliche Ungleichheit, Fehlentscheidungen der Politik, mangelnde Bürgerbeteiligung und eine zunehmende Kluft in der Gesellschaft. „Nie wieder ist jetzt“ fungiert als moralisches Signal, das Diskussionen unterbindet, statt sie zu befeuern. Es lenkt die Aufmerksamkeit von der sachlichen Auseinandersetzung auf eine emotionale Ebene, die eine nuancierte Betrachtung von Problemen verhindert. Wer sich nicht anschließt, wird rasch als Teil des Problems stigmatisiert. Dies führt zu einer gefährlichen Untergrabung der Debattenkultur und der demokratischen Grundsätze. Die historischen Vergleiche, die mit dem Slogan gezogen werden, sind häufig fragwürdig. Die AfD wird mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt, obgleich es erhebliche Unterschiede gibt. Diese Dämonisierung dient dazu, die politische Debatte zu emotionalisieren und Kritiker zu delegitimieren. Anstatt die AfD inhaltlich zu konfrontieren, wird sie moralisch geächtet – eine Strategie, die langfristig kontraproduktiv wirken könnte. Der Verfasser, Jens Berger, kritisiert, dass der Slogan eine „moralische Keule“ darstellt, die dazu dient, die eigene Haltung als alternativlos und überlegen zu präsentieren. Jene, die sich nicht anschließen, werden implizit oder explizit als Bedrohung für die Demokratie dargestellt. Dies schafft eine gefährliche Dynamik, in der abweichende Meinungen unterdrückt und Andersdenkende ausgegrenzt werden. Echte Einheit und Demokratie beruhen auf Vielfalt, offenem Austausch und der Bereitschaft, diverse Ansichten anzuhören und Kompromisse zu finden. Eine „Einigkeit“, die auf der Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung basiert, ist keine Stärke, sondern eine Schwächung der Demokratie. Der Slogan „Nie wieder ist jetzt“ läuft Gefahr, genau das Gegenteil dessen zu bewirken, was er vorgibt zu beschützen: eine offene und diverse Gesellschaft. Es ist an der Zeit, die inhaltsleeren Phrasen kritisch zu hinterfragen und sich wieder auf konkrete Themen zu konzentrieren. Anstatt Feindbilder zu schaffen, sollte der Fokus darauf liegen, die Ursachen gesellschaftlicher Unzufriedenheit zu beseitigen und einen echten, konstruktiven Dialog zu führen. Nur auf diesem Wege kann eine stabile und inklusive Demokratie sichergestellt werden.